http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_55_1927/0271
WILLY PREETORIUS. REITER AM HANG
mann hat der Begriff „Italien" eine starke, mich
überzeugende künstlerische Persönlichkeit passiert
, die mir Italien, zur Idee geworden, konzentriert
, von den Schlacken der Nebensächlichkeit
befreit, vermittelt.
Ahnlich verhält es sich mit den landschaftlichen
Gestaltungen von Willy Preetorius, der Rottmann
ebenso liebt wie Poussin und Corot. Auch
bei ihm geht das landschaftliche Bild durch
die Individualität hindurch, ehe er es gestaltet.
Jene oft ineinanderfließenden, nicht leicht trennbaren
heroischen und romantischen Stimmungen
, die uns an Rottmann und wohl auch
an Schirmer und Preller als ihr Merkwürdigstes
erscheinen, sind auch in Preetorius'Kunst. Aber
er ist dabei der Sohn seiner Zeit und ist überdies
ein Mann eigenen Willens, der sich, bei
aller Verehrung für die Ahnen einer Kunst, die
der seinen nahe verwandt ist, am wohlsten bei
sich selbst fühlt.
Ein Gedicht der Ricarda Huch, das eine imaginäre
Landschaft in feinen Konturen umreißt
und die blassen Farben durch die Mittlerschaft
des Wortes leicht hintuscht, gestaltet Willy
Preetorius zum machtvollen Bild, so zwar, daß
jene Stimmung, die romantisch ist, der erdichteten
, aber aus Elementen der Wirklichkeit
aufgebauten und zu einer höheren Wahrheit
gesteilten Landschaft des Künstlers eingeflößt
ist, daß er sich dabei aber absolut moderner,
von der Formensprache des Impressionismus
herkommender und selbständig weiter entwik-
kelter malerischer Ausdrucksmittel bedient.
Diesen scheinbaren Kontrast überbrückt Preetorius
in der einleuchtendsten Weise.
Wie bei dieser romantischen Landschaft das
Motiv, die Stimmung von außen her, von einem
Gedicht kam, so ist in anderen Fällen der
Vorwurf der Staffage maßgebend für den Charakter
der Landschaft. Etwa eine „Flucht nach
32*
251
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_55_1927/0271