http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_55_1927/0291
J.EBERZ. TAUFE DURCH DEN HL. RUPERT
JOSEF EBERZ
Künstlers Erdenweg ist Wandern und Suchen.
Gehen, Tasten, Taumeln, Irren, Stürmen — je
nach Temperament. Aber nie das Ziel verlieren.
Je klarer sich das Ziel ausdrückt, dem gesamten
Schaffen, auch da, wo dieses scheinbar von ihm
abzweigt, aufprägt, um so stärker setzt sich der
Künstler als Persönlichkeit durch; denn letzten
Endes ist Ziel und Persönlichkeit etwas Zusammenhängendes
, in sich Bedingtes wie Blick und
Blickpunkt. Dem kritischen Betrachter liegt es
dann ob, aus der Vielgestaltigkeit, in die sich
mehr oder minder jede reichere Natur verästelt,
das Eindeutige herauszulösen, das künstlerische
Wesen auf eine Formel zu bringen.
Wenn wir in dieser Absicht an Josef Eberz herantreten
, so legt sich uns ziemlich rasch die innere
Linie bloß. Sie ist ein fast fanatischer Drang
nach Ekstase. Ekstase, die sich in den verschiedensten
Phasen des Liebesproblems kristallisiert.
Der Begriff Liebe spannt sich hier weit. Er umfaßt
Eros und Karitas und die exaltierte Mystik
der heiligen Therese.
Das erotische Problem drängt zum Religiösen.
In der Verwirrung der Kriegsjahre war Eberz
trotz tief erregter Anteilnahme an den Nöten
und Erschütterungen der Zeit einer der wenigen,
dessen Kunst nicht in Tendenz verfiel. Damals
entstand in der sonnigen Herbsteinsamkeit des
Rheingaus der Zyklus „Kloster Eberbach", eine
Architekturphantasie von phantastischer Schön-
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