Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 55. Band.1927
Seite: 294
(PDF, 91 MB)
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unter uns lebendig wirksam sind, sind daran
ziemlich gleichmäßig beteiligt. Der achtzigjährige
Max Liebermann zeigt ein neues Selbstporträt
, prachtvoll konzentriert auf das malerisch
und sachlich Wesentliche, und daneben
zeugen eine helle, duftige Kinderszene und ein
dunkles, kräftiges Gartenstück von der un-
verkümmerten Lebensfrische des Meisters. Ein
Fischstilleben und ein Mädchen mit Früchtekorb
weisen die temperamentvolle Handschrift
Max Slevogts. In drei feinen und reichen Landschaftsstücken
, insbesondere einem Potsdamer
Winterbild, offenbaren sich das kultivierte Auge
und die vornehme Geste Ulrich Hübners;
neben solchen delikat gedämpften Malereien bekommen
Philipp Francks hart in hellste Helle
gerückte venezianische Veduten einen Stich ins
Grelle. Graf Leopold v. Kalckreuth hat ein
schönes, stilles Mädchenbild „Christine" geschickt
, das sich sachte, aber sicher, vermöge
der sjmrbar hineingemalten lebendigen Wärme,
die Neigung der Betrachter erwirbt und stärker
fesselt als drei andere, jüngere und farbigere
Arbeiten des Malers. Zwei Doppelporträts von
Leo v. König bewähren eine außerordentliche
Stärke und Tiefe der Charakteristik. Kluge,
beherrschte Porträts und Strandbilder von Ernst
Oppler, Landschaften und eine „Schlafende"
von Eugen Spiro, Bildnisse und Stilleben von
E. R. Weiß zeigen die sichere Höhe des Könnens
ihrer Urheber, die sich in klar erkannten
Grenzen stetig auswirkt. Auch Emil Orlik, von
dem neben einem Porträt der Jurjewskaja ein
weiblicher Akt mit Maske besonders interessiert,
gehört in diesen Kreis, dem auch Willy Jaeckel,
wie drei sehr wirkungsvolle Frauenbildnisse
dokumentieren, neuerdings nahegerückt ist.
Walter Klemm zeigt sein ruhiges Können in
zwei gefälligen Winterbildern.
Einige starke Aquarelle von Christian Rohlfs
und zwei ältere Bilder Emil Noldes von herber,
saftvoller, willensstarker Männlichkeit führen
den bunteren Reigen der Jüngeren an, die, durch
die Schule des Expressionismus gegangen, an
verschiedenen Stationen des Weges zur „neuen
Sachlichkeit" halten. Carl Hofers preisgekrönte
„Hänsergruppe", ein klares und ruhiges, vom
früheren „braunen" Hofer durch die eigenartige
Lichtheit der Farbgebung sich abhebendes
Bild, ist für die neue Phase bezeichnend, ebenso
ein durch Sicherheit des Baus hervorstechender
weiblicher Akt desselben Malers. Max Pechstein
zeigt sich von mehreren Seiten: die „Hängematte
" stammt noch aus der Nachbarschaft
Heck eis, ein „Lesendes Mädchen" schwelgt in
dick aufgetragenen, starken Farben, aber den
dauerndsten Eindruck gibt ein großes Fischstilleben
, auf dem vor schieferdunklem Grund
aus braunem Packpapier, blauem Tiegel und
silbrig glitzernden Fischen ein stark und sicher
geformtes Ganzes von ansehnlichem Format
erwächst. Reizvoll und lehrreich ist das Beieinander
mehrerer Landschaften Erich Heckeis,
von denen die eine, frühere im jugendlichen
Brio erregter, voller Farben prangt, während
die neueren sehr sanft in zartesten Tönen und
ganz leisen Harmonien von Grau und Blau und
Grün, im Grunde nicht weniger schwelgerisch,
sich ergehen. Von Schmidt-Rottluff ist ein kräftiges
, malerisch gekonntes Quitten-Stilleben zu
sehen, von E. L. Kirchner das ganz souverän
gegebene Aquarell einer Berglandschaft. Erich
Waske erscheint in einer reizvoll komponierten
Atnalandschaft mit Krugträger am interessantesten
. Auch Röhricht, Kerschbaumer, Melzer,
Krauskopf, G. W. Rößner, Klossowski, Batö
sind mit charakteristischen Stücken gut vertreten
. Cesar Klein und Tappert verharren in
der Abwandlung dekorativer Momente. Auch
Max Kaus, von dem eine farbig sehr ansprechende
„Frau vor dem Spiegel" und einige
Aquarelle gute Hoffnungen erwecken, ist in
seinen größeren Aktgruppen noch etwas in der
äußeren Ordnung befangen.
Im Gegensatz zu so viel frischem Leben, mag
es auch vielfach noch unsicher nach der neuen
Orientierung spähen und ringen, mutet die Beisteuer
Münchens ein wenig reichlich saturiert
und konservativ an. Drei Porträts von Leo
Samberger, eine dunkle Kreuzigung Franz
v. Stucks, eine an holländische Altmeister
gemalmende Kinderszene Adolf Hengelers,
mehrere aus dem Format der „Jugend" in
eine nicht ganz adäquate Monumentalität gereckte
phantastische Figurenbilder von Julius
Diez, eine Gebirgslandschaft von Adolf Schin-
nerer halten zwar das bekannte, gute Niveau,
entbehren aber einigermaßen des lebendigen
Pulses des heutigen Tages. Auch Hüther, Unold
und Eberz erscheinen ein bißchen erstarrt in
einem anderswo seit längerem überwundenen
Stadium. Otto Dill gibt wie immer virtuos
gekonnte Illustrationen vom Rennplatz und
aus der Raubkatzensphäre. Julius Heß und
Julius Seyler zeigen temperamentvolle Landschaften
.

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