Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 55. Band.1927
Seite: 313
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_55_1927/0341
DIE RAMA-RELIEFS VON LARA DJONGGRANG*)

Die letzten Ausläufer der großen hinduistischen
Kunstbewegung, die vom Nordwesten Indiens
über die ganze Halbinsel bis zum malayischen
Archipel vordrangen, sind die Rama-Reliefs des
Tempels von .Lara Djonggrang (Prambanan) in
Java. Sie hängen eng zusammen mit den Skulpturen
von Boro Budur. Dieser größte buddhistische
Tempelbau auf Java istallbekannt. Wenn
auch seine Gründungszeit nicht ganz genau festliegt
, so wissen wir doch, daß sie zwischen 750
und 850 n. Chr. angesetzt werden muß. Wir
werden bei dieser Datierung unterstützt durch
die Tatsache, daß dieses Bauwerk von den Qai-
lendras gestiftet wurde, jenem großen Fürstengeschlecht
, das etwa in der ersten Hälfte des
y. Jahrhunderts in dem Goldland Sumatra ein
großes buddhistisches Reich, Qrivijaya, gegründet
hatte. Der Beginn desselben fällt zusammen
mit dem Untergange des großen Reiches, das
der buddhistische Herrscher Qri Harsavardhana
regierte. Seine Herrschaft erstreckte sich über
ganz Indien vom Vindhya-Gebirge bis zum Hi-
malaya. Harsa (606—0^7) war bemüht, den
Buddhismus auszubreiten und verknüpfte seine
Politik vielfach mit der Religion. In diese Zeit
fällt die Ausdehnung des Buddhismus nach Tibet
und nach Sumatra. Bei dem Glaubenseifer
dieses Fürsten und der propagandistischen Tendenz
seiner Regierung können wir annehmen,
daß inseinem Reiche dereigentlicheMittelpunkt
zu suchen ist, von dem diese religiösen Beeinflussungen
ausgingen. Zugleich mit der buddhistischen
Lehre verbreitete sich buddhistische
Kunst. Das geistige Zentrum dieser Bewegung
war die Hochburg des nördlichen Buddhismus,
Nalanda. Dorthin wanderten die chinesischen
Pilger und dort lehrten die größten Apostel der
nördlichen Schule.

*) Die Abbildungen sind dem Werk: W. Stutterheim, „Rama-
Legenden und Rama-Reliefs in Indonesien" (Quartformat,
ein Textband mit 335 S., ein Tafelband mit 230 Abbildungen)
entnommen, das im Verlag Georg Müller, München, erschienen
ist. In diesem Buche werden die Zusammenhänge javanischer
Kunst ausführlich klargelegt und es wird vor allem
eine genaue Darstellung der Rama-Legende in Indonesien
gegeben.

Während nach HarsasTod der Buddhismus in
seinem Reiche erlosch und sein Gebiet in einzelne
kleinere Fürstentümer zerfiel, wurde die
buddhistische Tradition seiner Regierung von
den Pala-Fürsten in Bengalen weitergepflegt.
Beachtenswert ist nun, daß nach dem Tode Har-
sas das Reich (Mvijaya sich zu einer großen
Macht zu entwickeln beginnt und während der
Jahre 650—750 stetig an Einfluß zunimmt. Von
dieser Zeit an nimmt das Reich von Sumatra
den umliegenden Staaten gegenüber eine überragende
Stellung ein. Es wird sogar zwischen
den Pala-Fürsten in Bengalen und den Cailen-
dras auf Sumatra ein Bündnis geschlossen, das
durch eine bisher noch nicht edierte Urkunde, die
in Nalanda aufgefunden wurde, bestätigt wird.
Die Qailendras von Sumatra gründeten auf Mittel
-Java Kolonien und während dieser Zeitperiode
errichteten sie dort den Boro Budur. Die
Periode ihrer Machtentfaltung in Java fand aber
ein jähes Ende und wir müssen den Sturz ihrer
Herrschaft dort etwa auf das Jahr 850 ansetzen.
Damit war ihr überragender Einfluß gebrochen
und sie mußten sich nachSumatra zurückziehen.
Ihr Reich existierte noch weiter bis 1024, in
welchem Jahre es einem Angriff des südindischen
Cola-Fürsten erlag.

Der Buddhismus und die Kunst des Reiches der
Qailendras und ihrer Kolonien auf Java stammt
also aus einem der hervorragendsten Kulturmittelpunkte
Nordindiens. Die auf uns gekommenen
Überreste von Nalanda zeigen eine starke
Verwand tschaft mit mitteljavanischer Kunst, jedoch
so, daß Nalanda als Vorbild anzusehen ist.
Somit könnte eine Entwicklungsreihe aufgestellt
werden, die von der bekannten Schule vom^j 3?,
Gandhara über Nalanda, den Westen Indiens,
Sumatra, Boro Budur zu den Reliefs von Lara * &
Djonggrang führt. Diese sind jünger wie derBoro y
Budur. Es muß angenommen werden, daß nach
dem Sturz des buddhistischen Reiches, der Qai-
lendras auf Mittel-Java, die am Boro Budur beschäftigten
Bildhauer auf Java blieben, aber nicht
mehr in dem Dienst buddhistischer Fürsten arbeiteten
, sondern für die brahmanischen Herrscher
von Ost-Java. Die Gründung eines brah-

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