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manischen Tempels in der Umgebung buddhi-
stischerHeiligtümergibt diesemBau eine gewisse
Tendenz, die gegen den Buddhismus der vertriebenen
Qailendras gerichtet zu sein scheint.
Nicht nur historisch ist Lara Djonggrang später
anzusetzen wie Boro Budur, sondern auch aus
stilkritischen Gründen, aus der Lockerung des
ornamentalen Beiwerks, vor allen Dingen aber
aus der Vermeidung des streng Symmetrischen,
das sich am Boro Budur viellach noch findet.
Die Tempelgruppe von Lara Djonggrang umfaßt
sechs Tempel, von denen der Haupttempel
Qiva geweiht ist. Merkwürdigerweise findet sich
an der Innenseite der Brüstungsmauern desselben
der berühmte Relieffries, der die Geschichte
Ramas schildert, also einer Inkarnation des Go ttes
Visnu. Zum Verständnis der abgebildeten Reliefs
soll hier kurz der Inhalt der Rama-Sage
wiedergegeben werden. Bisher nahm man an,
daß das Ramayana, das Kunstepos von Valmiki,
die einzige Fassung dieser Sage sei und daß alle
anderen Abweichungen auf Mißverstehen und
Abänderungen dieser Originalsage beruhten. Es
sind aber neben Valmiki andere Traditionen geltend
gewesen und Valmikis Epos stellt nur eine
Fassung der Sage neben vielen anderen dar. Die
den Reliefs von Lara Djonggrang zugrunde liegende
Erzählung deckt sich nicht mit dem Werk
Valmikis. In der Auswahl der hier dargestellten
Reliefs kommt dies weniger zur Geltung. Ich
gebe hier die Sage möglichst kurz nach Valmiki.
In Ayodhya regiert der König Dacaratha. Keine
seiner drei Hauptgemahlinnen hat ihm einen
Sohn geschenkt. Seine größte Sorge ist daher,
dem Reich einen Thronerben zu sichern. Er
opfert den Gö ttern, um Kindersegen zu erhalten.
Während des Opfers erscheint der Gott Visnu
mit einem Trank, den der König seinen Frauen
gibt. Diese werden davon schwanger und dem
König werden vier Söhne geboren: Rama, Bha-
rata, Laksmana und Catrughna. Der Dämonenfürst
Ravana war durch Askese übermächtig
geworden und die Götter fürchten ihn. Visnu
erhält den Auftrag, sich auf der Erde als Mensch
inkarnieren zu lassen, um ihn zu besiegen. Er
tut dies in dem ältesten Sohn des Königs Dacaratha
, in Rama. Die Söhne wachsen kräftig
heran. Eines Tages kommt der Heilige Vic-
vamitra zu dem König Dacaratha. Er klagt
darüber, daß seine Opfer durch die Dämonen
gestört werden und bittet den Herrscher, ihm
Rama und Laksmana als Schutz gegen diese
mitzugeben. Der König gewährt die Bitte,
Rama und Laksmana töten die Dämonenriesen.
Dann führt sie der Heilige zu dem König Janaka
von Mithila zur Gattenwahl von dessen Tochter
Sita. Rama spannt dort den Bogen Civas (Abb.
S. 312) und gewinnt dadurch Sita zur Gemahlin
. Auf dem Rückwege besteht Rama einen
Kampf mit Paracurama, den er besiegt. Er erhält
von seinem Gegner einen Bogen. Als die
Prinzen nach Ayodhya zurückgekehrt sind, will
Dacaratha aus Freude über die Erfolge seines
Sohnes diesen zum König weihen. Kaikeyi, die
zweite Gemahlin des Königs, erinnert aber ihren
Gatten an ein ihr gegebenes Versprechen, demzufolge
ihr Sohn Bharata zum König geweiht
werden soll. Außerdem verlangt sie, daß Rama
vierzehn Jahre verbannt wird. Rama unterwirft
sich, um seinen Vater nicht wortbrüchig zu
machen und geht freiwillig mit Sita und Laksmana
in die Verbannung. An seiner Statt wird
Bharata zum König gekrönt (Abb. 315). Rama
findet mit den Seinen gastfreie Aufnahme bei
Asketen, überschreitet den Ganges und wohnt
in einer Waldhütte. Dort empfängt er den Besuch
Bharatas, der ihm mitteilt, daß Dacaratha
vor Trauer um Ramas Verbannung gestorben ist.
Er bittet ihn zurückzukehren und die Herrschaft
zu übernehmen. Rama gibt ihm seine Schuhe
als Zeichen der Stellvertretung mit.
Nach vielen Abenteuern gelangen sie in den
Dandaka-Wald. Dort bauen sie sich wieder
eine Hütte. — Curpanakha, eine Schwester des
Riesenfürsten Ravana, sieht Rama und verliebt
sich in ihn. Da sie als Riesin ein häßliches Aussehen
hat, nimmt sie die Gestalt einer blühend
schönen Jungfrau an (Abb. S. 316). Als Rama
sie abweist, wendet sie sich an Laksmana, der
sie ebenfalls verschmäht. Sie will sich nun an
Sita rächen, wird aber vonLaksmana vertrieben,
nachdem er ihr Nase und Ohren abgeschnitten
hat. Sie flüchtet zu ihrem Bruder Ravana. Dieser
beschließt, Sita zu rauben. Er läßt einen Riesen
die Gestalt einer goldenen Gazelle annehmen.
Dadurch lockt er Rama von Sita weg, der auf
ihren Wunsch die Gazelle zu fangen sucht.
Rama erschießt diese schließlich. Sie ruft mit
Ramas Stimme um Hilfe. Auf die Bitte Sitas
eilt Laksmana fort, um Rama beizustehen.
Währenddessen raubt Ravana Sita und bringt
sie nach Laüka. Der Vogel Jatayus versucht sie
zu befreien und wird dabei schwer verwundet.
Auf der Suche nach der Geraubten treffen die
Brüder den sterbenden Vogel, der Rama einen
Ring Sitas übergibt (Abb. S. 319). Dann ziehen
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