Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 55. Band.1927
Seite: 362
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_55_1927/0396
I

DER MÜNCHNER GLASPALAST 1927*)

Im Glaspalast sind grundlegende Veränderungen
vor sich gegangen, wenigstens auf jenem
umfassenden Ostflügel, wo über den Ausstellungen
der Münchner Künstlergenossenschaft
die Gespenster der Langeweile und der Mittelmäßigkeit
ihre grauen Schwingen auszubreiten
pflegten. Bekanntlich hat sich die Münchner
Künstlergenossenschaft in der Person des Bildhauers
Fritz Belm einen Diktator gesetzt. Belm
ging darauf aus, dieser Abteilung im Glaspalast
ein neues Gesicht zu geben. Er rief die Baukunst
zu Hilfe. Nicht mehr Ausstellungsräume
sollte es in dem achsialen Mitteltrakt des Ostflügels
geben, sondern gestaltete Räume, bei
denen die Wand in Verbindung mit Plastik,
Gemälde und kunstgewerblichem Gegenstand
spricht.

Münchner, Wiener und Dresdner Baukünstler
waren am Werk. Daß man sich nicht auf
Münchner Künstler beschränkte, ist in München
übel vermerkt worden, und außerhalb
Münchens wurde natürlich behauptet, wenn der
Münchner Glaspalast in diesem Jahre frischer
aussehe, so sei es das Verdienst des Dresdners
Wilhelm Kreis und des Clemens Holzmeister
aus Wien. Aber es ist nicht an dem. Vielmehr
sollte durch die Herbeiziehung gerade der österreichischen
Künstler (außer Holzmeister kamen
Wiener Bildhauer und Maler) die Zusammengehörigkeit
der stammverwandten Nationen und
der wesensähnlichen Städte Wien und München
betont werden. Vor dem Norden aber, von
dem man sich Wilhelm Kreis holte und eine
sehr stattliche, in dem von Kreis gestalteten Ziegel
-Saal aufgestellte Kollektion von Plastiken
des Berliners GeorgKolbe, machte man die schuldige
und wohlverdiente Reverenz. Für den im
allgemeinen sehr seßhaften Münchner ist es förderlich
und kann ihn zu nachdenklicher Einkehr
anregen, wenn ihm gezeigt wird, wie man
außerhalb der süddeutschen Kunstmetropole
auf allen Gebieten künstlerischen Gestaltens in
in der Entwicklung vorwärtsschreitet.
Eine sehr beachtliche Neuerung ist die Einbe-

*) Über die Ausstellung der Neuen Secession wird noch ein
gesonderter Aufsatz erscheinen.

ziehung der Freskomalerei (und der ihr in Absicht
und Wirkung verwandten Kasein-,Wachsund
Sgraffito -Technik) in dieses Kunstgebikle
von Raum, Malerei und Plastik. Daß man hier
gerade den Jüngeren die schönsten und augen-
fälligstenPlätze einräumte, daß hier Maler zum
Zuge kommen, von deren vielen man bisher
kaum den Namen kannte, deutet auf die umwälzende
Wirkung dieser Maßnahme hin. Auch
in der Art der Aufstellung der Plastik hat z.B.
Willi Erb Lösungen gefunden, die endlich von
den kaum mehr anzuschauenden grauen Sockeln
und Podesten abrücken. Er hat Nischen in die
Wände eingetieft, die plastischen Gruppen
hineingestellt und damit eine frappierende
reliefartige Wirkung herausgelockt. DieMünch-
ner Architekten Lechner und Norkauer haben
als Rahmen zur Monumentalplastik Belms das
Vestibül umgestaltet, es sachlich neu ausgeformt.
Der Zusammenklang mit der Plastik ist in überzeugender
Weise gefunden, es ist gleich „Stimmung
" da, und sie hält vor.
Ein kleiner als Gartensalon gedachter Durch-
gangsraum, von Kreis baukünstlerisch betreut,
hat leichte, gleichsam hingespielte, improvisierte
Fresken von Eberz und Seewald zu zeigen, Arbeiten
, die für die „Genossenschaft" schon durch
dieWahl eigenartiger Künstler eine külmeNeue-
rung bedeuten. Auch sonst kommen, wie diese
beiden Angehörigen der Neuen Secession, die
hier ein Gastspiel absolvieren, Mitglieder und
Aussteller fortschrittlicher Gruppen zur Genossenschaft
herüber: Karl Reiser und Ferdinand
Spiegel zeigen in kleinen Kollektionen ihre Werke
; in dem verjüngten, auch durch Betonung
jüngerer oder bisher im Schatten gestandener
Persönlichkeiten aufgefrischten Ensemble machen
sie gute Figur. Der Bildhauer Knappe, einer
der Extremsten unter den Münchner Bildnern,
zeigt in dieser Umgebung seine technisch neuar-
tigen,bei den Ägyptern anknüpfenden Ziegelschnitte
, Ruth Schaumann, die sich immer feiner
entwickelt, immer innerlicher wird, ihre anmutreiche
religiöse Kunst. Religiöser Art sind
natürlich die meisten Fresken, wenigstens im
Saal der Münchner. Felix Baumhauers großes

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