http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_56_1927/0137
EIN DEUTSCHER
BAUMEISTER
ZU ARBEITEN DES ARCHITEKTEN PROFESSOR PAUL SCHMITTHENNER, STUTTGART
„Niemand kann ermessen, um wieviel wir in
den fünfzig Jahren seit seinen Büchern den
Dostojewskischen Menschen schon ähnlicher
geworden sind, wie viele Prophezeiungen sich
schon in unserem Blute, in unserem Geiste von
seiner Ahnung erfüllten." So sagt Stephan Zweig.
Den Triumph der Masse, den Geschmack der
vielen, die Walzarbeit der Gleichheit aller für
alle künden täglich neue Druckseiten. Die
Banalität hebt grinsend das platte Gesicht und
nackte Wände, die Angst vor dem frei beschwingten
Bogen sind die Zeichen der Architektur
des Tages.
Es handelt sich nicht um Geschmackliches.
Nicht Witziges, irgendwie spitz zu Definierendes
steht auf dem Spiele, sondern die Frage:
„Dostojewskimensch oder Stiftermensch." Das
leicht Erlernbare des asketischen Würfelhauses
mit der teueren unkonstruktiven Lösung des
Fensters an der belasteten Ecke ruft alle die auf
den Plan, die gerne mit Rezepten der Tagesmode
dienen,gleichgültig gegen die Forderungen
baulicher oder landschaftlicher Umgebung (des
wirklichen Dienens der Allgemeinheit, der
selbstverlcugnenden Arbeit am Ganzen), gleichgültig
gegen den uralten Sinn des Heimat-
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