http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_56_1927/0177
ARTUR HELBIG. WANDARM MIT GETÖNTEM KARTONSCHIRM
ZU DEN ARBEITEN VON ARTUR HELBIG
Es sind wahrscheinlich nicht nur wirtschaftliche
Rücksichten gewesen, die so sehr die Kupferbronze
in den Hintergrund geschoben und dafür
das Messing bevorzugt haben, soweit die
Herstellung von Beleuchtungskörpern, besonders
von Kronen, in Frage kam. Die Kupferbronze
„stimmte" früher besser zu den gedämpften
Tönen der Stilmöbel. Aber jetzt, wo
man helle, luftige Räume liebt und sich mit
wenigen Möbeln behilft, um die Gesamtwirkung
nicht zu beeinträchtigen, jetzt soll das Lichte
wirklich licht sein und Licht ausstrahlen. Man
kann die schöne, edle Tiefe des Kupfers sehr
lieben, und kann doch zugestehen, daß in den
heul igen Räumen ein lebhafteres Material, das
Messing, mehr den Zweck erfüllt, mit dem
Lichte zugleich in die Leere hineinzuwirken
und sich dennoch als Körper zu behaupten.
Das Messing verlangt eine Formgebung, die
das weiche Kupfer niemals dulden könnte, ohne
olfensichtlich vergewaltigt zu erscheinen; oder,
um diesen Satz besser umzukehren: die Formgebung
unserer Zeit verlangt Materiale, die bei
aller Biegsamkeit doch einen scharfkantigeren
Zusammenbau ermöglichen, Forderungen, die
das Kupfer nur sehr bedingt erfüllen kann.
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