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MICHAEL POWOLNY. ZWEI VASEN. BEMALUNG VON FRANZ BÜLOW
italienischer und dänischer Herkunft aus gleicher
Zeit durch seine besondere Art, die Verfeinerung
der damals bestimmenden Hofgesellschaften
durch einen Schuß von frischer Sinnlichkeit
und Gesundheit bodenständiger zu machen
. Das bezieht sich naturgemäß nicht auf die
ersten Stücke Du Puquiers, jenes wagelustigen
Niederländers, der im Jahre 1718 die Porzellanfabrik
in Wien auf eigene Rechnung begründete
. Mußte sich doch Du Paquier vorerst des
Meißner Arkanislen Samuel Stölzels und des
Vergolders Christof Hungers versichern, um
überhaupt verwendungsfähiges Porzellan herauszubringen
. Wie in Meißen und andernorts
verlegte man sich zu Beginn auf Eisenrotmalerei
mit teilweiser Reliefierung und behielt in Form
und Dekor die japanischen lmari-Porzellane als
Vorbild. Aber bald setzte sich ein höchst wirkungsvoller
Barockdekor durch: die talkräftige
Zeit verlangle nach anderen Modellen als sie
der weiche, vereinfachende und massenzusammenfassende
Stil der oslasiatischen Porzellane
zu bieten halte. Diese Spätbarockornamenle,
im Vereine mit figuralen Darstellungen, Chinoi-
serien, „deutscheu" Blumen und Laudschallcn
von sehr sorgfältiger Ausführung in Bunt, Gold
oder Schwarzlotmalerei bildeten den Höhepunkt
in der Erzeugung der Du Paquierschen Fabrik,
die ohne jede Unterstützung von seilen des Staates
oder Fürsten, also unter wesentlich schwierigeren
Verhältnissen als alle übrigen bedeulenden
Manufakturen, dennoch sich allgemeine Anerkennung
verschaffen konnte. Nach Ablauf
seines Patenies übergab Du Paquier seine Fabrik
im Jahre lj'iA dem Staate, der sie in ka-
mcralistische Verwaltung übernahm und den
tüchtigen Model leurJ. Niedermayer an die Spitze
stellte. Erst unter staatlicher Leitung erhiellen
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