http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_56_1927/0270
WILHELM REPSOLD. ILLUSTRATIONEN ZUM „DON QUIJOTE"
daß die „Latten ohne was herum" stehenblieben
. Das Weiß spricht mit als Atmosphäre, als
Raum, als Element, in und nicht vor dem sich
das schwarze Leben abspielt. Das Taktgefühl des
Künstlers füllt diesen Raum so, daß das Gleichgewicht
immer vorhanden ist, daß der Raum nicht
erdrückt wird von der schwarzen Masse, daß er
nicht überfüllt wird, aber auch nicht gähnend
leer oder langweilig bleibt. Aber das, worin das
eigentliche Leben steckt, ist der Kontur. Er ist
Repsolds Meisterleistung. Hierin ist er von einer
Kühnheit und einem Reichtum der Linienführung
, die oft geradezu verblüffend sind. Dieser
Kontur ist wunderbar dem Charakter der Bilderserien
angepaßt; am bizarrsten und tollsten in
seiner Eigenwilligkeit in den Schnitten zum
Don Quijote und zum Münchhausen, weit behäbiger
in denen zu Timmermanns Novellen,
ganz ruhig auf einigen der Einzelstücke. Denn,
auch das muß gesagt werden, so interessant an
und für sich das Formale ist, es ist doch nur
ein Dienendes, Ausdruck und Illusion Schaffendes
. Gerade bei Repsold spielt das Stoffliche
eine große Rolle. Er beherrscht Mensch
und Landschaft, Tier und Blume. Von der
Plastik hat er auch den Sinn für das Dekorative
. Es steckt auch in den Stücken aller-
kleinsten Formats. Alle seine Arbeiten aber
sind durch den Reichtum der Phantasie, ein
erstaunliches Naturstudium, den köstlichen
Humor, die Kraft und Energie des Ausdrucks
weit entfernt von der nur liebenswürdigen
Ornamentik älterer Scherenschnitte wie
auch von der oft süßlichen Biedermeierei
vieler neuerer Silhouetten. Das Werk umfaßt
außer Hunderten von Einzelschnitten 20 Silhouetten
zum Don Quijote, 19 zu Münchhausen
, 4o zu Eulenspiegel und 12 zu Felix
Timmermanns „Triptychon von den heiligen
drei Königen". w. Pieper
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