Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 56. Band.1927
Seite: 273
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NEUE ARCHITEKTUR UND W O H N U N G S K U LT U R

Als in den einzelnen Städten die ersten Häuser
und Siedlungen in der neuen, mit aller Tradition
so gründlich brechenden Bauweise entstanden
, mußten sie befremdend auf das gänzlich
unvorbereitete Publikum wirken. In jeder
Stadt glaubte man diese „scheußlichen" Bauten
der extravaganten Laune eines Architekten zu
verdanken, den das Unglück ausgerechnet nach
dort verschlagen habe. Besonders heftig äußer le
sich die Opposition in den Städten, wo die Initiative
von dem Kreise der städtischen Baukörperschaften
ausging. Inzwischen aber hat
man sich überzeugen können, daß es sich keineswegs
um eine neue, von vereinzelten Persönlichkeiten
getragene Richtung handelt, sondern
vielmehr um eine mächtige, im kulturellen
Leben verwurzelte Bewegung, die in breiter
Welle nicht nur ganz Deutschland, sondern
alle Länder Europas erfaßt hat und die auch in
den Vereinigten Staaten von Nordamerika die
jüngere Architektenschaft auf das lebhafteste
beschäftigt.

Geht man dem Ursprünge der neuen Bauformen
ernstlich nach, so wird man unschwer
erkennen, daß es sich diesmal nicht um eine
neue baukünstlerische Richtung handelt, deren

Wesen sich in einer neuartigen Fassadengestaltung
erschöpft, sondern daß der Bewegung
eine Triebkraft innewohnt, die das Wohnungsproblem
von innen heraus mit einem neuen
Geiste zu erfüllen sucht. Zwei Faktoren sind
es, die ausschlaggebend für die Neugestaltung
gewesen sind. Erstens die Erkenntnis, daß in
Anbetracht der katastrophalen Wohnungsnot
unserer Zeit die Wohnung ein Massenbedarfsartikel
geworden ist, dessen Erzeugung in dem
gewaltigen Umfange, wie ihn die Gegenwart erheischt
und unter dem Druck schwierigster
wirtschaftlicher Verhältnisse nur durch der
Neuzeit entsprechende rationelle Baumethoden
begegnet werden kann. Und ferner die ebenso
dringende Notwendigkeit, das Wohnen selbst
den veränderten wirtschaftlichen Anschauungen
und neuen technischen Errungenschaften anzupassen
. Zwei Faktoren also, die im Grunde nur
sekundär mit den Fragen der Ästhetik zusammenhängen
, während ihr entscheidendes Gewicht
auf der Seite der Wirtschaft liegt. Die
formale Gestaltung ist nur eine notwendige
Folgerung, die nichts anderes sein will als der
wahrhaftige Ausdruck des Lebens, aus dem und
für das der neue Wohnraum geschaffen wird.

SCHLAFZ.

WOHNHAUS E. MAY. GRUNDRISSE DES ERD- UND OBERGESCHOSSES

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