Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 57. Band.1928
Seite: 63
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DIE DARMSTÄDTER

AUSSTELLUNG 1927

Wenn irgendwo der Begriff „Neue Kunst" sich
mit Taten manifestieren will und es stellt sich
doch zu allererst die Notwendigkeit ein, in
bessere und bedeutungsvollere Tage der Vergangenheit
zurückzublicken, so ist dies ein
Zwiespalt, der nicht sehr erfreulich ist. Steht
man auf der Darmstädter Mathildenhöhe vor
Olbrichs Ausstellungsgebäude und Hochzeitsturm
, so wird dieses Gefühl zum Ereignis. Von
dieser Stätte ging einst eine eigenartige lebendige
Kunst aus, die weit hinauswirkte in das Getriebe
und Leben der deutschen Kunst; Mathildenhöhe
war damals mehr als nur eine Ausstellungszentrale
. Das ist vorbei. Der hessische Großherzog
Ernst Ludwig, ein kunstbegeisterter und
kunstverständiger Fürst, hebt nicht mehr seine
Hand über die Darmstädter Ausstellungen;
seine Nachfolger in der Kunstpflege Darmstadts
aber veranstalten Ausstellungen, wie man sie
auch anderwärts findet, wenn man moderne
Kunst zeigt. Kein Wund er, daß deshalb in diesem
Jahre die Augen der Darmstädter und Darm-
sladt besuchenden Kunstfreunde mehr auf die
im Landesmuseum veranstaltete Ausstellung
„Alte Kunst am Mittelrhein", die tatsächlich
eine neue Provinz alter Kunst erobert, gerichtet
sind als auf die Mathildenhöhe. Zu Unrecht freilich
, denn auch die diesjährige Darmstädter Ausstellung
hat ihre Verdienste — man darf nur
eben nicht mit den hochgespannten Erwartungen
kommen, die man früher auf die Mathildenhöhe
mitbrachte.

In drei größere Komplexe ist die Ausstellung
aufgeteilt: Berlin, Darmstadt, München, und
bei jedem gibt es drei Unterabteilungen: Malerei,
Plastik, Graphik. Darmstadt, um damit zu
beginnen, hat heute nicht mehr die bedeutende
Künstlerschar, über die es 1900 und dann wieder
zwischen 1912 und igi4 verfügte, aufzuweisen
. Diese Gruppe „Hessische oder in Hessen
wohnende Künstler" vermittelt als wertvollste
Bekanntschaften Proben aus dem Werk
des Darmstädter Bildhauers Adam Antes,
eines Neo-Klassizisten, der indessen auf äußerste

Sparsamkeit der Mittel bedacht ist und gelegentlich
kräftig stilisiert. Von den gegenwärtig in
Darmstadt tätigen Malern sind Karl Gunsch-
mann, ein intimer Landschaf ter, Karl Depperl.,
ein Meister von Halbfigurenbildern, und der
ausdrucksvolle Willi Hofferbert besonders erwähnenswert
.

Die Münchner Kunst vertritt,wie dies auch bei
der Kasseler Jubiläumsausstellung der Fall ist,
ausschließlich die Münchner Neue Secession
mit Gemälden, Graphik und Plastik, eine sehr
bemerkenswerte Uberschau über die Größen
der Gruppe, aber auch über die Leistungen
einiger in München selbst weniger wirkungsvoll
herausgebrachter jüngerer Künstler wie
Josef Achmann, Franz Doli, August Kallerl,
Otto Nückel, von dem man sehr Bedeutsames
erwarten darf, Josef Scharl, Alois Seidl, August
Zintl und Walter Schulz-Matan, dessen Bildnis
der Frau Schrimpf mich als einer der stärksten
künstlerischen Eindrücke der Ausstellung angesprochen
hat.

Berlin wird durch seine Secession mit mehr
als zweihundert Werken vertreten. Auch hier
treten, geschart um Corinths Ehrengedächtnis
in Form einer kleinen, würdigen Nachlaßkollek-
lion, manche neue oder weniger bekannte
Künstler hervor. August Wilhelm Dreßler,
F. M. Jansen, Paul Päschke, Magnus Zeller mit
seinen prächtigen „Anglern", einem Bild von
feinstem Kolorit, Erich Waske mit seinem
„Wasserträger am Ätna" gehören zu denen,
die einem neue Eindrücke vermitteln. Charlotte
Berend mit dem „Geißhirten", Erich Bültner
mit dem ironisierenden Bildchen „Die Akademie
", Arthur Degner mit einer „Ostpreußischen
Landschaft", Felixmüller, Spiro, L. v. König,
Bruno Krauskopf, von dem man ein ausgezeichnetes
Bild „Mutter und Kind" sieht, bewegen
sich mehr in bekannten Bahnen. Bei den
Berliner Bildhauern fällt Johannes Schiffner, bei
den Münchnern der etwas träumerische, seine
plastischen Bildnisse aus seelischen Tiefen
heraufholende Ernst Penzoldt auf. G. J. w.

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