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EUGEN Z AK.
B O HE MIENS
Phol, Marcel Bernheim, Paris
ZU DEN BILDERN VON EUGEN ZAK
Er war ein Tänzer am Rande seiner Zeit. Was
diese Zeit, dieses harte, schmetternde Heute an
Kämpfen aufwirft, was es an Altem zerbricht
und an Neuem hervorstößt, dieser wilde Sang
der Gegenwart, — er klang wie durch tiefe
Wälder gefiltert zu ihm hin. Und so nahm er
ihn auf und baute ihn ein in seinen Traum. Ja,
er wohnte im Traum und versank doch nicht
in ihm. Träumend hatte er sich die Spannung
gewahrt zwischen Traum und Heute. Und was
wir in diesen Jahrzehnten an Kampf und Tat
erlebten, er hat es alles aufgenommen in
sein Malen, in leisen Brechungen, den Stachel
gelöst,— aber stets voller Ernst und voll jener
bewußten Klarheit, die oft wie ätzend in die
zarten Stimmungen seiner Träume fährt.
Eugen Zak war Pole. Polnischer Jude. Also
zweimal verfolgt, zweimal verstoßen in die Heimatlosigkeit
des Wanderns und Suchens. Denn
die Wiederaufrichtung Polens hatte ihm keine
Heimat geschenkt: nach dem Kriege war er
wieder zwei Jahre in Deutschland, dann wieder
in seinem geliebten Paris, seiner Wahl- und
Kunstheimat seit Jahrzehnten. Dort hauste er
in einem kleinen Hotel garni hoch über dem
Montparnasse,— unten war es wohl Krankenhaus
oder so was —, malte und schrieb und
ging abends in die Rotonde, wo er uns freundlich
empfing. Ja — er empfing im Cafe.
Lebendig und freundlich. Und etwas zusammengekauert
in sich selbst. Alles war symbolisch in
diesen äußeren Umständen. Wer ihn kannte,
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