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ODILON REDON.
FEDERZEICHNUNG
ODILON REDON i84o—1916
VVeshalbist inDeutschlaiid das graphische Werk
Odilon Redons nur wenigen bekannt? Verdient
Redon nicht gleiches Ansehen wie etwa seine
Altersgenossen Rodin und Renoir? Steht er
nicht als Lithograph auf einer Höhe wie nur
ganz wenige Meisler in Deutschland? Und ist
nicht vor allem seine Phantasie, seine Weltanschauung
im weitesten Sinne des Wortes
unserem deutschen Empfinden verwandt genug?
Eines erklärt unsere Unkenntnis Redons. Die
Auflagen der Lithographien Redons waren
immer ganz kleine. Die kleine, aber überzeugte
Schar seiner Sammler in Frankreich, der Schweiz
und Holland hält den größten Teil dieserDmcke
in festen Händen. Nun hat sich die Kunsthandlung
„Graphisches Kabinett" in München
durch ihren Leiter Günther Franke das Verdienst
erworben, die erste größere Ausstellung
der Graphik Redons in Deutschland veranstaltet
zu haben. Ein Ereignis seltener und höchst
erfreulicher Art nicht nur für München. Dieser
Ausstellung sind auch die hier gezeigten Abbildungen
entnommen.
Wir besaßen freilich schon längst in dem Katalog
Mellerips (Paris 1913), ein Orientierungsmittel
über Redons Phantasie und neuerdings
erschien bei I. H. de Bois, Haarlem, das vollständige
lithographische W erk Redons in zwei
großen Mappen, deren Tafeln recht nahe an
die Originale herankommen. Aber was sind
alle Reproduktionen, wenn die Originale des
Künstlers in jedem Strich, in jedem Ton eine
solche Weichheit, solche Feinnervigkeit, solchen
Reichtum an Licht und Schatten, Farbigkeit
cn also, zeigen, daß wir meinen, nicht
gedruckte, sondern wirklich originale Zeichnungen
vor uns zu haben?
Und doch hieße es die Kraft der Erfindung
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