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manchmal rührseligen Maler der moralischen
Bilderfolgen beurteilen. Das Porträt seiner
Frau hier reicht in der leichten Flüssigkeit der
Pinselführung an sein von Frans Hals inspiriertes
berühmtes „Krevettenmädchen" heran.
Die scharfe Opposition gegen die großen
Porträtmaler seiner Zeit, die er als „portrait-
manufacturers" verhöhnte, gibt Hogarlh seine
besondere Stellung. Diese Eklektiker aus der
Zeit der George — es fehlt nur Allen Ram-
say — wetteifern hier wie im Leben um
die Gunst des Publikums: Reynolds, der
gewichtige Akademiepräsident, der glänzende
Gesellschaftsmann und Rhetor, außer durch
Porträts mit einer Mythologie (Amor und
Psyche); Correggio mit den krustigen Fai'ben
Rembrandts, aber in der Auffassung Prud-
hon; Romney, in seinen Frauenporträts etwas
süßlich-schmachtend; Hoppner, der vermutliche
Königssohn, immer frisch und klar in
seinenMädchenbüsten; Cotes,ein wenigBekann-
ter, besonders vornehm in einem Herrenbildnis;
der Pastellmaler Gardner, der den hohen Stil
schon bedenklich popularisiert; Opie in seinem
kräftigen, warmen Farbenglanz; der feintonige
Schotte Raeburn, sprühend lebendig in zwei
Gruppenbildern von Knaben; endlich Gains-
borougb, der sensible, musikalische Sanguiniker,
auch in diesen mehr bescheidenen Porträts (besonders
derMißTyler ofBalh) von hinreißender
Lebenskraft; und der Ausklang: Lawrence,
der oberflächliche, schwankende, ebenso zum
Schauspiel wie zur Malerei begabte Liebling
der Gesellschaft, bestechend, glänzend, ein
letztes raketenhaftes Aufflackern dieser Porträtkunst
, die, ohne eigene malerische Triebkräfte
, einer selbstbewußten Gesellschaft dienend
, von Anfang an daran krankte, daß sie
die Ausdrucksmittel der Größten in der raffiniertesten
Weise verschmolz.
Um vieles schlichter tritt die englische Landschaftsmalerei
auf. Hier ist die Insel eigenschöpferisch
, hier hat sie zur modernen Wirklichkeitskunst
den soliden Grund gelegt. Der
Kampf um dieLandschaft beginnt schon früh. Er
beginnt im Aquarell, das, offenbar atmosphärisch
bedingt, ein Liebling der Engländer
geblieben ist. Im Ölbild als ein Ringen mit
Claude-Lorrain, dessen Mischung von lateinischer
und germanischer Art — strenge, verstandesmäßige
Komposition und mystische Allverbundenheit
— dem der gleichen Rassen-
mischung entsprungenen Wesen der Engländer
besonders entgegenkam. Dieser Weg ist hier,
mit Sandby beginnend, sehr deutlich zu verfolgen
. Wilson offenbart eine Frische der Auffassung
(„Der Fluß Dee"), die weit über Claude
hinausgeht, Gainsborough erreicht eine den
Franzosen fremde Intimität („Ländliche Szene
mit Rindern"), bis dann Constable den Ring
von Barock und Rokoko durchbricht und der
neuen Malerei des lq. Jahrhunderls die Bahn
eröffnet: der erste Grün-Maler (der erste auch,
der die Spachtel gebrauchte). Gar in einer Bleistiftzeichnung
(Schleuse von Newbury 1825)
ist er schon ganz impressionistisch.
Der jung verstorbene Bonington trug dann die
Fackel nach Paris hinüber, aber auch im eigenen
Lande fand Constable einige würdige Nachfolger
und Fortsetzer. Manche lernen wir hier
zuerst kennen: den urkräftigen Buxton Knight,
den farbenfreudigen Russell, den großzügigen
Cameron und Wilson Sleer, der an Millet erinnert
. Von dieser reichen modernen Landschaftskunst
ist hier nur ein schmaler Ausschnitt
gegeben. Aber es sind doch aus der
frühen Zeit zwei Turner da und sie lassen die
Faszination dieses gewalligen Märchenerzählers
ahnen.
Die Präraffaeliten, erst nur eine Episode, haben
sich organisch in die Entwicklung eingebaut, da
sie eine Pflanzstätte so vieler Begabungen wurden
. Der ihnen gewidmete Raum hat einen stark
süßlichen, narkotischen Duft, der zu Träumen
verführt. Rossetti steht fester auf der Erde,
während Burne-Jones sich stark ins Ätherische
verflüchtigt. Daneben streift einsam der höchst
delikate Etty.
Ein scharferGegensalz: Die satirischenZeichner,
die seit Rowlandson bis heute das Leben wie
einen ständigen Karneval mit kräftig drein-
schlagenderNarrenpritschebegleiten.Kirby z. B.
ist von unwiderstehlicher Komik. Auch Rex
Whisller fügt in einer Gerichtsszene aus dem
italienischen Quattrocento eine Fülle drolliger
Gestalten zusammen. — Eine andere durchlaufende
Kette sind die Miniaturmaler, von denen
die berühmtesten (Cosway, Hoskins,Engleheart)
in einer Serie von 137 Stücken (aus dem Besitz
des Earl Beauchamp) hervorstechen.—
Nun die Modernen. Da sind einige, die sich verdienten
Weltruf erworben haben. Die Meisterradierer
Muirhead Bone, Brangwyn, Strang sind
nicht ihrer Größe entsprechend vertreten. Rob.
Anning Bell, der sensibelste Illustrator, zeigt eine
ergreifende „Verkündigung". Von den beiden
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