Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 57. Band.1928
Seite: 98
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PHILIP CONNARD. JANE CONNARD

Ausstellung englischer Malerei, Wien

Shannon ist Charles mehr dekorativ und Iraiim-
farbig. Gut zu erfassen ist der 1926 gestorbene
MacEvoy ein Frauenmaler, der seine Figuren
in breiter Gebärde, scharf konluriert, in den
Raum stellt, dafür die Binnenform auflöst.
Daneben noch eine Fülle anderer Porträtmaler,
die auch heute noch immer vorherrschen. Oi'pen,
der in letzter Zeit gerne Kriegsereignisse malte,
gibt in einem weiblichen Flüchtling den Zauber
seines Modells in leichter, flockiger Malweise
wieder, während Connard mehr die Flächen zusammenhält
. Francis Howard, der englische
Leiter der Ausstellung, dem wir zu so großem
Danke verpflichtet sind, inspiriert sich an der
träumerischen Zartheit junger Frauen. Frau

Gwen John erinnert
etwas an die früh verstorbene
Moderson.
Und dann ist es weiterhin
wie bei den meisten
Ausstellungen: daß wir
eine Menge Künstler
finden, deren Eigenart
aus ein, zwei Stücken
nur undeutlich zu
erfassen ist, so daß
sich auch die Worte
zu ihrer Charakterisierung
nur verschwommen
einstellen. Eine
Ausnahme macht H.
Lamb, der sich in
seinem „Gasüberfall
durch türkische Trup-
pen"und seinen„Trau-
ernden" als sehr kräftiger
, leicht expressionistischer
Gestalter tief
erregender Sil uationen
erweist.

Eine wichtige Ergänzung
sind die Handzeichnungen
. Wir haben
schon zwischendurch
auf einzelnes hingewiesen
. Erwähnen
wir noch, daß gleichzeitig
in der Albertina
eine Ausstellung der
kostbarsten englischen
Graphik zu sehen ist,
so steht Wien in diesen
Wochen wirklich im Zeichen englischer Kunst,
die man in so bunter Mannigfaltigkeit seit der
Akademie-Ausstellung in Berlin 1908 auf dem
Kontinent nicht beisammen gesehen hat. Damals
waren die W erke durch den kaiserlichen
Willen zusammengebracht, diese sind eine hochherzige
Gabe von Privatleuten. Damals herrschten
die Glanzslücke vor: man sah 25 Reynolds
und 21 Gainsboroughs. Die Wiener Ausstellung
geht mehr in die Breite, sie bietet mit ihren nahezu
300 Stücken (die Miniaturen nicht gerechnet)
eine überaus lehrreiche Auseinanderfaltung der
englischen Kunst, die sich hier in all ihrer
Mannigfaltigkeit als ein überaus fein geflochtenes
Gewebe darstellt. Dr. Franz Ottmann

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