Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 57. Band.1928
Seite: 104
(PDF, 100 MB)
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HERMANN BINZ. BEWEGUNGSSTUDIE

bedingungslos die Wahrheit zu sagen. Es fehlt
natürlich auch nicht an Tadel, aber der Tadel
ist weniger an die Einzelpersönlichkeit gerichtet
als an die Richtung oder an das Prinzip, das
von dieser Persönlichkeit vertreten wird. Besonders
nachdrücklich ist aufgezeigt, wo die
„Offiziellen", die beamteten Stellen, die Kunstbonzen
, die Kritik und das liebe Publikum
in ihremUrteil fehlgingen,wo Gelegenheiten verpaßt
wurden, wo verschuldete und vermeidbare
Flauten in den Gang der Entwicklung störend
eingriffen. Begreiflicherweise ist der Verlauf
der geschichtlichen Entwicklung der Münchner
Malerei ein bewegtes Auf und Ab. Höhepunkte
wechseln mit Senkungen, wie eben der
Gang der Münchner Kunst verlief. Kapitel wie

das über Lindenschmit und seine Schule, über
Leibi und seine Freunde, über die Kunstausstellung
von 1869, über den Eier-Kreis, über
die Gründung der Secession gehören auch forscherisch
zum Wertvollsten, was das Buch
bietet. Besonders anziehend sind die dazwischen
geschäheten Darstellungen der kulturhistorischen
Entwicklung, wie denn das ganze Werk
durch den Wechsel entwicklungsgeschichtlicher
Abschnitte und biographisch-kritischer Würdigungen
(ein Kabinettstück ist da die menschliche
und künstlerische Analyse Lenbachs!)
an Bewegtheit und Abwechslung und damit an
Lesbarkeit gewinnt.

Wie Uhde-Bernays seinen Stoff unter einem
rein geschichtschreiberischen Gesichtswinkel
betrachtet, so vermag er auch den Standpunkt
des Lokalpatrioten unbedingt zu vermeiden,
ein Umstand, der das Buch auch für den NichtMünchner
zu einer überaus interessanten Lektüre
macht. Der Autor sieht den V erlauf der
Münchner Kunstentwicklung — ähnlich wie
dies Weizsäcker in seiner Geschichte der Frankfurter
Malerei tut — stets im Zusammenhang
mit der Entwicklung der deutschen Malerei
überhaupt. Es gibt da keine Burgfriedenspfähle
— und darauf beruht der Wert dieser Abhandlung
: sie isoliert die Münchner Kunst nicht,
sondern ordnet sie in ein größeres Ganzes ein,
weist aber zugleich nach, wie der Schwerpunkt
der deutschen Kunstentwicklung oftmals in
München lag, wie aus München der gesamtdeutschen
Kunst häufig Impuls und Initiative
kamen. Daß diese Absicht bei der Verfassung
des W'erks bestand und in der Ausformung erreicht
wurde, ist nicht genug zu preisen. Dafür
kann man gerne auf Vollständigkeit in der
Herzählung der Künstlernamen verzichten; es
schadet auch wirklich nichts, wenn einige „dii
minorum gentium", die anno Tubak im Glaspalast
ausstellten, fehlen. Überdies ist kaum ein
Name von einigem Belang vergessen.
Die typographische und bildliche Ausstattung
des Werkes ist vortrefflich. Die Auswahl der
Abbildungen ist so getroffen, daß kein Hauptmeister
und kein Hauptwerk fehlt, daß aber
auch eine Reihe sonst weniger genannter und
weniger bekannter Maler mit selten oder noch
nirgends reproduzierten Wrerken erscheinen.
So ist das Buch auch in seinem ausgezeichnet
wiedergegebenen Abbildungs- und Anschauungsmaterial
als eine vorbildliche Leistung zu
betrachten. Wolf

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