http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_57_1928/0186
HERMANN HUB A CHE R. GEFESSELTE
größeren Arbeiten das Zeug hat, so
ist er in vielfacher Weise vom Auftraggeber
und von der Öffentlichkeit
, von der Baukunst und vom
plastisch-dekorativen Empfinden
einer bestimmten Gesellschaft, einer
Gegend abhängig. Ja es bedeutet
für den Bildhauer wohl recht eigentlich
den kritischen Moment seiner
Laufbahn, wenn er fühlt, daß er
in einer ganz bestimmten Gegend,
insbesondere in der Heimatstadt,
durchdringen, Wurzel fassen, im
körperlichsten Sinne Boden gewinnen
muß, damit seine Werke nicht
für die unbefriedigende Wanderschaft
durch Kunstausstellungen geschaffen
werden, sondern für einen
bestimmten Platz.
Unter den schweizerischen Bildhauern
unserer Zeit nimmt Hermann
Hubacher eine hervorragende
Stelle ein. Er hat seine volle künstlerische
Reife erlangt, und sein
Schaffen macht den beruhigenden
Eindruck des Gestaltens aus der
Fülle und der persönlich erworbenen
Lebenssicherheit heraus. Auch
äußerlich hat es etwas Wohltuendes
und Beruhigendes, zu wissen, daß
dieser Künstler auf dem Wege ist,
sich völlig durchzusetzen, daß er
schöne, langfristige Aufträge hat
und mit Ruhe an großen Werken
arbeilen kann, welchen ihr Platz
zum voraus bestimmt ist. Das innere
Gleichgewicht und die klare Ausgeglichenheit
seiner Schöpfungen
macht sie in besonderem Maße geeignet
für die Verwendung als monumentale
und dekorative Plastik, in
Verbindung mit Bauten, mit Brunnen
oder Gartenanlagen. So hat seine
zurückgelehnt sitzende Frauengestalt
(Abb. S. 143) ihre Aufstellung
im Hofe der Dermatologischen
Klinik in Zürich gefunden. Das
längliche, große Wasserbecken und
die helle, den Gartenhof abschließende
Mauer, welche von Wasserpflanzen
und Efeu umwuchert ist,
geben dem von stiller Quellenpoesie
umwobenen Werke die beste
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