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CARLO CARRA. FESTWIESE
BEMERKUNGEN ZUR NACHEXPRESSIONISTISCHEN
MALEREI ITALIENS
Wenn ich mich zur neuesten italienischen
Malerei äußern soll, so muß ich vorausschicken,
daß hier kein vollständiges Bild entrollt, überhaupt
kein geschichtlicher Uberblick gegeben
werden wird. Nur wenige Kardinaleindriicke
seien verzeichnet, wie ich sie in diesem Jahr in
Italien empfing, als es galt, eine jetzt im Leipziger
Museum sichtbare Ausstellung organisieren
zu helfen. Dr. Teupser, der eben eine
fesselnde Schau deutscher nachexpressionistischer
Malerei brachte, gibt augenblicklich diesen
Uberblick über die Parallelproduk tion Italiens.
Erste Frage: Welches Land zeigt überhaupt die
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wertvollere Gegenwartsmalerei? Ohne Zweifel
können wir hier Deutschland nennen, dessen
Niveau sich in den letzten Dezennien soweit
hob, daß eine gewisse Gleichmäßigkeit herrscht,
die einen augenblicklichen Mangel an Einzelgipfelungen
beinahe verschmerzen läßt. Welche
Träger neuester deutscher Malerei sich zu zeitüberdauernden
Leistungen emporarbeiten werden
, ist noch kaum zu sagen. (Ich persönlich
glaube, daß etwa in Dix ein junger Corinth,
natürlich auf völlig veränderter Slilstufe, vorlieg
t.) In Italien bleib t vorläufig Carra d er — nicht
nurentwicklungsgeschichtlich — Wichtigste.
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