Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 57. Band.1928
Seite: 207
(PDF, 100 MB)
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Geheimnisse der Valeurs, der Helligkeils- und
Dunkelheitswerte innerhalb der einzelnen Farben
; es ist das Geheimnis der hohen malerischen
Qualität französischer Bilder.Teutsch ist darüber
zu merkwürdigen Resultaten gelangt, und
aus der Umwelt der verschiedenen Ausstellungen
, in denen man im letzten Jahre Bilder
von Teutsch sah, fielen sie ordentlich heraus:
etwas Schwingendes und Klingendes war in
ihnen, nicht aber wie von Musik, sondern wie
von einer geschmeidigen Florettklinge, etwas
Fechterisches sozusagen, Esprit, der das Handwerk
durchdrang und überwand.
Uber diesem Experimentieren und seinem
Gelingen wäre mancher andere ein einseitiger
Doktrinär, ein Theoretiker, ein Nur-Maler
geworden, der die Stimmung, die vom Bildinhalt
kommt, verleugnet oder gering geschätzt
und damit gewissermaßen seine ganze Vergangenheit
negiert hätte. Bei Teutsch verhält
es sich nicht so. Das Motiv spricht ihn an, wird
ihm Stimmungsträger, bestimmt den malerischen
Ausdruck. Er hat z. B. von der Eichstätter
Landschaft, vom Eichstätter Stadtbild
starke Eindrücke und Anregungen erfahren.
Ein Haus, das er in klassisch edler Malerei
hinsetzt, ist nicht ein beliebiges Farbproblem,
sondern man verspürt, wie da etwas Persönliches
, Erlebtes mitspricht. Und so ist es auch,
wenn er eine Familie im Gartengrün, eine biblische
Szene oder Begebenheit malt. So ist es
besonders bei seinen Bildnissen, die viel inniger,
empfundener, naturhafter, menschen-natur-
halter sind, als sie einem Berufsporträtisten gelingen
können, der seinerseits Teutsch in jeder
Bildnisgeschicklichkeit überlegen sein mag.
Immer auch verspüre ich,selbst beiden kleinsten
Formaten, den Zug des Künstlers ins Monumentale
, seinen Wunsch, einmal eines seiner
Bilderaifrescozumalen. i9Q2,aufderDeutschen
Gewerbeschau in München, fand man ein Fresko
von Teutsch; es war ein Versuch, interessant,
eindrucksvoll — aber um wieviel besser würde
Teutsch heute vor einer solchen Aufgabe bestehen
, nachdem er inzwischen Meister seines
Handwerks, seiner Kunst geworden! Wolf

DIE ZWECKMÄSSIGKEIT
DER KUNST

Seit Kant gilt als Hauptsatz der Ästhetik, daß
die Kunst „zwecklos gefallen" solle. Das ist ja
nun gewiß richtig, wenn man unter „Zweck"
etwas ganz roh Praktisches versteht. Aber man
übersieht dabei, daß die Kunst einen tief inneren
Zweck hat, daß sie durchaus nicht nur ein sinnloses
Spiel mit Formen ist. Kunst ist das große
Mittel der seelischen Verständigung unter den
Menschen, sie ist die Brücke von Herz zu Herz.
Wenn in uns chaotisch, unruhig, gärend ein
Gefühl entsteht, so gibt es für mich nur eine
Möglichkeit, dies Gefühl den anderen Menschen
verständlich zu machen: ich kristallisiere dies

Gefühl, ich presse es hin ein in Linie, Ton, Gestalt.
Jetzt erst kann das Unsagbare gesagt werden,
das Zarteste ans Licht treten. Kunst hat also
diesen unendlich wichtigen „Zweck": Klärung
des Inneren, Mitteilung des Geheimsten. Ohne
die Kunst ständen wir einander hilflos gegenüber
, das Seelenhaus mit seinen Schätzen bliebe
verschlossen. Das ist die feine praktische Bedeutung
der Kunst: Licht flutet auf, das von dem
intimsten Geschehen des Ich erzählt. Nur durch
die Kunst öffnet sich das Wesen, der verborgene
Kern, das Tiefste und Letzte.

Rudolf von Delius

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