Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 57. Band.1928
Seite: 225
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_57_1928/0283
DIE GRUFTKAPELLE AUGUST THYSSEN

ARCHITEKT E. HAIGER, MÜNCHEN

In Landsberg bei Mülheim a. d. R., dem Lieblingssitze
des Großindustriellen AugustThyssen,
hat E. Haiger an der von dem Verewigten selbst
erwählten Stätte eine Gruftkapelle geschaffen.
Die eigenartige Situation — ein Bergfried in
heiterer Gegend wird hier zum äußeren, weithin
sichtbaren Zeichen - - stellte den Künstler
vor eine dankbare, seinem Empfinden gemäße
Aufgabe. Diese erscheint auf die einfachste und
sinnvollste Weise gelöst.

Ein Turm von 26 Meter Höhe und mächtigen
Mauern, noch der romanischen Stilperiode
angehörend, wurde durch Hinzufügung eines
Anbaus und nachdem von der Gartenseite aus
ein neuer Eingang geschaffen war, zum Mausoleum
gestaltet. Im oberen Teile befindet sich
die Kapelle, im unteren die Gruft. Hier hat
der Architekt, indem er den Boden tiefer legte,
einen doppelten Vorteil erreicht. Zunächst
konnten 6 m Höhe erzielt werden, vor allem
aber gelangte ein künstlerischer Gedanke zum
Ausdruck. Vom EingangeaussenktsichderBlick
über den rechteckigen Grundriß hinweg sofort
zu dem Sarkophag herab, welcher auch ohne
architektonische Trennung wie aus der Distanz
wirkt — ganz im Sinne eines Altars. Auf Stufen
gelangt man in den Gruftraum. Eine kleine,
kaum zu bemerkende Fensteröffnung bildet auf
der linken Seite die Lichtquelle, aber trotz des
Dämmerlichtes macht sich das wohlberechnete

Farbigein der feinsten Weise geltend. Wände:
bräunlicher Travertin, Fußboden: hell- und
dunkelgrau alternierende Quadrate, Sarkophag:
grau-rot-grün (Bruchstelle Marxgrün), die
ruhende Figur in Bronze. Einigen figürlichen
Schmuck erhielt neben der Inschrift der Sarkophag
, darüber befindet sich in die Mauer
eingekerbt ein feinliniertes Kreuz. Sonst wurde
von vorneherein auf alles verzichtet, was die
Einheit des-Ganzen und damit die feierliche
Wirkung hätte stören können.
Der Begriff des Mausoleums war bekanntlich
vom Altertum bis auf unsere Tage den mannigfaltigsten
Schwankungen unterworfen. Bis heute
noch hat sich die Sucht erhallen, mit bildnerischsymbolischen
Mitteln, ferner auch durch allzu
reichliche „Verwendung" von ArchitekturStim-
mungen zu konstruieren, wie solche in den meisten
Krematorien und Aussegnungshallen zutage
treten. Bei Flaiger nichts von alledem: räumliche
Proportion zusammen mit dem Sarkophage
und den nach der Tiefe führenden Stufen bilden
wie aus einem Gusse eine geschlossene Einheit. So
wurde das Einfachste das Stimmungsvollste. Man
muß es lebhaft begrüßen, daß Haiger hier Gelegenheit
fand, dem ausgezeichneten Manne ein
feinsinnigesDenkmal zu errichl en.Unter den modernen
Schöpfungen dieser Art wirdHaigers letztes
Werk seines produktiven Gehaltes wegen mit
an erster Stelle zu nennen sein. Carl Roehrer

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