Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 57. Band.1928
Seite: 246
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KARL ALBIKER. FRAUENBILDNIS

Berliner Secession

gar töten, denn die Kunst ist so groß und schwer,
und wir mögen und wollen sie lieber mit großen
Eh renin das Lob Go t tes wenden; denn in gleicher
Weise,wie sie die schönste Gestalt einesMenschen
ihrem Abgotte Apollo zugemessen haben, also
wollen wir dieselben Maße brauchen zu Christo
dem Herren, der der schönste aller Welt ist;
und wie sie Venus als das schönste Weib gebildet
haben, also wollen wir dieselbe zierliche Gestalt
in keuscher Weise beilegen der allerreinsten
Jungfrau Maria, der Mutter Gottes; und aus dem
Herkules wollen wir den Samson machen; desgleichenwollen
wir mit den anderen allen tun."

(Aus dem 1876 erschienenen Dürer-Werk von Moritz Thausing)

GEDANKEN ÜBER KUNST

Normalmesser für Kunstwerke gibt es bekanntlich
nicht. Aber Grundnormen für die richtige
Einstellung zur Kunst können wir den Lehren
der Kunstgeschichte entnehmen und damit den
beiden gröbsten Irrtümern bei der Bewertung
entgehen — sie kehren in immer neuen Verkleidungen
wieder: auf der einen Seite „die platte
Auffassung des Kunstwerkes als Naturnachahmung
, Genuß und Bewertung nach der Richtigkeit
und Überzeugungskraft der Abbildung, ja
nach dem Wert des Abgebildeten; auf der andern
Seite die formalistische Betrachtung, die in den
Kunstwerken nur abstrakte Gebilde von Linien,

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