Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 57. Band.1928
Seite: 322
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MAX BECKMANN. INTERIEUR MIT FERNROHR. AUSSTELLUNG DÜSSELDORF

Mit Genehmigung von J.B. Neumann, New-York, und der Galerie Flechtheim

DIE SYMBOLIK INDISCHER KUNST

Indische Kunst kann nur begriffen werden, wenn
man die gedankliche Basis, auf der diese reichen,
fremden, oft grotesk-überwuchernden Formen
erwuchsen, erfaßt. Nirgends findet sich eine
so nahgeschlossene Bindung zwischen gedanklichem
Erkennen, gedanklicher Anschauung und
körperhafter Darstellung wie in Indien, nirgends
auch eine so langsam fortschreitende Entwicklung
, ein noch heute lebendiges Geslalten aus
dem Geist uralter Worte der Veden und Upa-
nishaden.

Indische Kunst begann, als der indische Mensch
begriff, daß die Seele des Menschen ewig ist und
eins mit der göttlichen Seele, dem Herrn und
dem Ursprung aller Dinge. Schönheil, sagt der
indische Philosoph, ist subjektiv, nicht objektiv,

sie gehört nur dem Geiste an und kann nur
durch geistiges Schauen begriffen werden. Die
Schönheit eines Baumes,einer Blume, einer Frau
liegt in der göttlichen Idee, die sie jenen Geistern
gibt, die fähig sind, sie zu empfangen. Je vollkommener
unser Geist der allgemeinen Harmonie
erschlossen ist, desto deutlicher erkennen
wir die Schönheit und sind dadurch fähig,Kunst-
ler zu werden. Es existiert weder Schönheit
noch Häßlichkeit in der Materie. Die ganze
Natur ist schön, wenn wir die göttliche Idee in
ihr begreifen. Die geistige Vision zu erhöhen
und zu stärken war daher das Streben aller indischen
Künstler, weil aus dieser allein das Wesen
der Dinge erschlossen werden kann und
das Verharren in der gegenständlichen Welt,

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