http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_57_1928/0407
ÖSTERREICHISCHE KUNST 1700—1928
AUSSTELLUNG IN DER PREUSSISCHEN AKADEMIE DER KÜNSTE, BERLIN
Die in Gemeinschaft mit dem österreichisch-
deutschen Volksbund veranstaltete Ausstellung
österreichischer Kunst umfaßte 500 Zeichnungen
, Aquarelle und Graphiken aus der
Zeit von 17OO—1928. Professor Alfred Stix,
der Leiter der Albertina in Wien, hatte hier
mit seinem Assistenten Dr. Otto Benesch eine
Ausstellung zusammengebracht, wie man sie
von dieser Epoche noch nicht gesehen hat und
wie sie deutlicher als viele Unternehmungen der
letzten Zeit bewies, welche bedeutende Rolle
die deutsche Kunst in der europäischen Entwicklung
der letzten 200 Jahre gespielt hat.
Denn deutsch ist diese Kunst, und sie verkündet
mit lauter Zunge die unteilbare schöpferische
Gewalt eines Heimatbodens, der sich von
Regensburg über Passau nach Wien erstreckt.
Der Geist jener Maler der Donauschule um
1500 scheint verwandelt in einer neuen Luft
hier fortzuleben und vor manchem Federstrich
erinnert man sich erstaunt, Ahnliches
schon gesehen zu haben, bis einem die Namen
Wolf Huber oder Altdorfer ins Gedächtnis
kommen.
Aber ebenso wie die fruchtbare Kraft der Landschaft
wird etwas offenbar, das diesem Land
in der Geschichte der deutschen Kunst eine
einzigartige Stellung einräumt. Nirgendwo diesseits
des Rheins empfindet man so stark das
Gefühl einer Glied an Glied wachsenden Generationenkette
, eines sich fortentwickelnden Traditionsbewußtseins
, einer unendlich glückhaften
Einheit, die vom Zeitpunkt des endgültig abgeschlagenen
Türkenansturms bis in unsere Tage,
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