Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 57. Band.1928
Seite: 330
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im stetigen geruhsamen Fluß verlief. Es ist
dies ein Glück, das der übrigen deutschen
Kunst versagt blieb und das nicht zuletzt dem
grandiosen Gemeinschaftsgeist der katholischen
Kirche entsprang.

Als Schüler der venezianischen und neapolitanischen
Meister begannen diese Österreicher
des beginnenden 18. Jahrhunderls, um bald darauf
mit den besten Italienern keinen Vergleich
mehr scheuen zu brauchen. Ja die stärksten
Künstler dieses Landes wie etwa Mauipertsch
erscheinen uns heute mit ihrer Mischung von
rauschender Musikalität und jenseitiger Versenkung
einzigartig und es wird der Augenblick
kommen, wo man allgemein erkennen wird, daß
das ganze Jahrhundert ihrer Graphik nichts
Gleichwertiges zur Seite zu stellen hat.
Den frühen Meistern Daniel Gran und Paul
Troger stehen die großen schöpferischen Baumeister
Fischer v. Erlach, Hildebrandt usw. zur
Seite. Sie schufen mit ihren architektonischen

Entwürfen Möglichkeiten und Anregungen für
ein ganzes Malergeschlecht.
Der musikalische Geist des Barock durchzieht
diese ganze Kunst und durchströmt sie mit
einem Gleichmaß, das in letzter Verdünnung
noch in unseren Tagen spürbar ist. Von den
Altarbildern und Fresken des Kremserschmidt
über den Schwaben Füger, folgt der fürst-
bischhöf liehen und der Maria-Theresianischen
Epoche das bürgerliche Zeitalter des 19. Jahrhunderts
mit Joseph Führich, Peter Fendi,
Moritz von Schwind, DafFinger, Waldmüller,
Rudolf v. Alt und schließlich Makart. Selbst
in unserer Zeit noch in Klimt, in Schiele oder
Kokoschka ist etwas von der gewaltigen fortzeugenden
Kraft des 18. Jahrhunderts spürbar,
und da es nur wenigen beschieden ist, neuschöpferisch
zu wirken, so scheint es uns in der
Kunst das schlechteste Los nicht, Erbe einer
großen lebendigen Vergangenheit zu sein.

B. E. W.

PRIMITIVE KUNSTMALER

Farbige Völker bevorzugen von allen bildenden
Künsten meist die Holzplastik und legen
wenig Gewicht auf die Malerei. Als Ausnahmen
von dieser Regel sind nur die Buschmänner
mit ihren farbigen naturgetreuen Felsmalereien
und die Eskimo mit ihren zierlichen schwarzen
Zeichnungen auf Bein berühmt. Sonst beschränken
sich die Primitiven im allgemeinen darauf,
ihre Holzschnitzereien zu bemalen, und leisten
darin dann allerdings manchmal recht Bemerkenswertes
. Vor allem verdienen hier die Bewohner
von Neumecklenburg hervorgehoben
zu werden, denn ihre Muster sind an harmonischer
Anordnung, Zierlichkeit und genauer
Ausführung kaum zu übertreffen. Und daneben
müssen auch die Sulka von Neupommern erwähnt
werden, die in den Ornamenten ihrer
Baststoffe und ihrer Schilde einen vorbildlichen
Geschmack zeigen.

Hier ist die Malerei aber immerhin nur auf
einzelne Gegenstände beschränkt, während die
Papua von Neu-Guinea bedeutend vielseitigere
Maler sind. Besonders im Osten Neu-Guineas,
im ehemals deutschen und im britischen Teile
der Insel, blüht diese Kunst, die ihre höchste

Vollendung am Kaiserin-Augusta Fluß, dem Se-
pik, bei Leuten erreicht, die noch jetzt kaum
von fremder Kultur berührt sind, steinzeitliche
Geräte gebrauchen, in Pfahlbauten wohnen
und Kannibalen sind.

Der Papua ist vielseitig in seiner Malerei, vernachlässigt
darum aber andere Künste nicht,
und gerade hier blüht die Holzplastik und Ton-
bildnerei neben der Malerei. Die einzelnen
Künste befruchten einander sogar, und es ist
nur natürlich, wenn die Schnitzereien hier wie
auf anderen Inseln bunt bemalt werden. Daneben
verziert man aber auch Tontöpfe, Holzschilde
, Masken aus Geflecht und aus Holz,
Kreisel aus Schalenstückchen der Kokosnuß
und KleidungsstofFe aus Baumbast mit reichen
Malereien. Das genügt dem Kunstsinn der Papua
aber noch nicht, und in dem Bestreben,
auch die Häuser, vor allem die Geister- und
Versammlungshäuser möglichst prächtig auszuschmücken
, ist er darauf verfallen, auch die
aus Sagopalmrinde angefertigten Wandverkleidungen
zu bemalen. Auch vor seinem eigenen
Körper macht der Papua keinen Halt, und
so ist es kein Wunder, wenn er auch die

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