Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 57. Band.1928
Seite: 334
(PDF, 100 MB)
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Schädel seiner Vorfahren, die er zur Erinnerung
aufhebt, und die Schädel seiner getöteten Feinde
mit denselben Mustern bemalt, wie sie die Lebenden
tragen. Zuvor werden aber die Schädel
noch mit Ton überzogen und möglichst naturgetreu
dem Gesichte des Verstorbenen oder
Erschlagenen nachgebildet. Nach unseren Begriffen
harmloser, für den Papua aber genau
das gleiche ist es, wenn er nun auch Krabbenschalen
und Schweine- und Krokodilschädel
bemalt, denn ihre Träger hat er ja genau so
„besiegt" und verzehrt wie seine Feinde.
Bei all dieser Vielseitigkeit ist doch die Auswahl
der Farben nur beschränkt. Man kennt
Kalk für die weiße, Ruß und Schlamm für die
schwarze, Ockererde für die gelbe und Tonerde
für die hell- und braunrote oder karminrote
Farbe. Das ist alles, und zumeist ist bei den
Malereien sogar noch das seltenere Gelb gespart
. Grün ist völlig unbekannt, und dem
scheußlichen Waschblau, wie es z. B. im Bismarck
-Archipel und auf den Salomo-Inseln beliebt
geworden ist, kann man auf Neu-Guinea
bis heute noch keine nachteilige Wirkung zuschreiben
.

Das Malergerät ist höchst einfach und beschränkt
sich auf kleine Farbreibschalen, die
allerdings in ihrer Art wieder kleine Kunstwerke
der Schnitzerei sind. Diese 10—20 cm
langen Schälchen stellen Vögel, Krokodile, Kanus
oder Menschen dar und sind mit außerordentlicher
Liebe und Sorgfalt angefertigt,
ohne daß man zu ihrer Herstellung irgendein
eisernes Gerät benutzt. Als Pinsel dienen
Kokosbaststückchen.

Leider ist es uns in den meisten Fällen nicht
möglich, etwas Genaueres über die Bedeutung
der Malereien auszusagen. Wohl erkennen wir
in vielen Fällen in den Ornamenten Gesichter
mit großen Augen oder die Motive der Gesichts-
bemalmig, aber weit häufiger wissen wir die
sicheren, gefälligen Linien nicht zu deuten.
Was wir zu erkennen glauben, das mag nach
dem Gefühle der Papua völlig falsch sein, und
er wird sicher seine eigene, uns kaum versländliche
Deutung seiner Motive haben, wenn er
nicht auch bereits die ursprüngliche Deutung
vergessen hat und bloße „Ornamente" malt.
Wir erleben schon in der Deutung der Produkte
unserer eigenen Kunstwerke die seltsamsten
Überraschungen und müssen deshalb darauf
verzichten, die Malereien dieser Eingeborenen
, die uns geistig so fern stehen, zu erklären.
Vielleicht machen spätere Forschungen ein
Verständnis möglich. Vorläufig aber müssen
wir uns bescheiden und uns davor hüten, dem
Papua und anderen Farbigen Gedanken und
Kunstgefühle zuzuschreiben, die er nicht besitzt
, und die ihm ebenso unverständlich sind wie
uns seine Kunstauffassung. Dr. Hans Nevermann

A. PETTENKOFEN. FEDERLITHOGRAPHIE

Ausstellung österreichischer Kunst, Berlin

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