http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_57_1928/0463
FÜNFZEHNJÄHRIGER (BERTH. SUNIER). MONDSCHEINLANDSGHAFT (PHANTASIE)
und Malen meist überhaupt erlischt, um nur
bei spezifischen Talenten oder Liebhabern danach
wieder aufzutauchen. Ein noch nicht völlig
geklärtes Rätsel menschlicher Entwicklung. Aus
dieser letzten produktiven Periode kindlicher
Entwicklung stammen eine Reihe Zeichnungen,
die wir hier wiedergeben. Keine ist in der Schule
entstanden. Sie ähneln manchmal sehr den Bildmitteln
der „neuen Sachlichkeit", natürlich ohne
im geringsten von ihr zu wissen. Ein Beweis,
daß diese neue Kunst der Erwachsenen mit ihrer
mikroskopierenden Genauigkeit, die aber immer
auf geometrische Reduzierungen hin sieht, eben
gerade eine in der menschlichen Natur angelegte
Struktur (um nicht überdeutend zu sagen „Urform
") herausgearbeitet hat. Die Zeichnungen
entstammen einem Wettbewerb für den Pestalozzi
-Schülerkalender. Man beachte die Altersunterschriften
. Örtliche Lokalisierung ergibt
sich nur daraus, daß es sich vorwiegend um
Schweizer Kinder handelt, sie bedeutet nicht etwa
Sonderbegabung dieser Landschaft. — Wie zart
gefestigt steht derstereometrisch gedrängte Aufbau
des „Castells" des Elfjährigen,an einen neuen
Klassizisten (etwa Kanoldt) erinnernd. Wie originell
die mikroskopierende Kleinform etwa der
Bodenzeichnung des Dreizehnjährigen! Wie gefestigt
im Gesamtaufbau der Gasseneinblick des
14jährigen Johann Felix. Wie kristallinisch klar
in seiner mondscheinhellen Gegenständlichkeit
die Gebirgslandschaft des Fünfzehnjährigen,
dessen Vordergrundsbaum aus einer persischen
Miniatur stammen könnte.
Von Interesse wäre, hier zu wissen, wo inzwischen
Pubertätskrisen eintraten.
Dr. Franz Roh
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