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II M.LHUBER WERKSTÄTTEN. ROTLACKSCHRÄN KCHEJs MIT VERGOLDUNG
Gelegenheit, alles genau kennen und gründlich
beurteilen zu lernen.
Nach Deutschland zurückgekehrt, setzte Muthe-
sius mit seiner eigenen umfangreichen, bis auf
den heutigen Tag herabreichenden Bautätigkeit
ein, die vornehmlich dem Villen- und Kleinwohnhausneubau
in den noblen Vororten Berlins galt,
aber keineswegs sich darauf beschränkte. Mu-
thesius war, wie in allen seinen Persönlichkeitsäußerungen
, auch in seiner Kunst universell; es
ist z. B. nicht allgemein bekannt, daß er auch
vorbildlich praktische und schöne Schiffsausstattungen
schuf.
Als im Jahre 1907 die Gründung des Deutschen
Werkbundes beschlossen wurde, stand Muthesius
an der Spitze der Bewegung. Bei der konstituierenden
Versammlung in München 1908 sprach
er überaus kluge, wegweisende Worte. Auf allen
Vorkriegs-Tagungen des Werkbundes hörte man
ihn und wußte, daß er stets etwas Bedeutsames und
Beträchtliches zu sagen hatte. Berühmt wurde
sein Bededuell auf der Kölner Werkbund-Tagung
1914 mit Van de Velde: Muthesius sprach der
Typisierung, Van de \ elde der Individualisierung
der Formgebung in der Gewerbekunst das
Wort — und damit ebnete Muthesius der Bewegung
, die heute die Stunde regiert, den Weg.
Gleichwohl ist Muthesius den jüngsten Entwicklungsphasen
der Werkbundbewegung ferner gestanden
, obwohl er mit seiner umfassenden literarischen
und allgemein publizistischenTätigkeit,
die auch in dieser Zeitschrift häufig fruchtbar
wurde, weiterhin einer der einflußreichsten Männer
in der deutschen Architektenschaft blieb.
Seine späteren Hauptwerke „Wohnhaus und Garten
", „Die schöne Wohnung", „Wie baue ich
mein Haus?", „Kleinhaus und Kleinsiedelung"
wurden wiederholt aufgelegt und trugen den
Buhm ihres Autors weit hinaus über die Fachkreise
ins deutsche Volk, das mit Hermann Muthesius
eine seiner auf dem Gebiet derKunstbewre-
gung führenden Persönlichkeiten verliert. Wolf
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