Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 58. Band.1928
Seite: 119
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_58_1928/0153
„DIE KOMÖDIE"

Ein Theater von Oskar Kaufmann

Mit liebenswürdigem Humor hat Oskar Kaufmann
selbst die etwas bewegte Vorgeschichte
seines Theaters „Die Komödie" erzählt. Dem
am Kurfürstendamm zu Berlin belegenen
Grundstück, auf dem es steht, waren nacheinander
mancherlei Bestimmungen zugedacht, ein
Theater aber nicht, jedoch nach vielen Schwankungen
und Wandlungen der Pläne (und der
Geldgeber) erfolgte die Bebauung in der Weise,
daß Kaufmann an der Straßenfront ein großes
Bürohaus und auf dem Rückgelände ein Theater
für Max Reinhardt errichtete. Das Programm,
das Reinhardt dem Bau stellte, war ein „Theater
der Fünfhundert", also ein ganz intimes, ein
Luxus- und Gesellschaflstheater. Und das war
ein Programm, das Kaufmanns Begabung und
seinen Auffassungen von der Aufgabe des
Theaterbaus besonders günstig entgegenkam.
Schiller hat in der Schaubühne eine „moralische
Anstalt" erblickt, und der Theaterbau des
Klassizismus hat diese Lehre in architektonischen
Formen bestätigt. Gemessene Würde,
Weihe, Feierlichkeit war es, wonach er strebte;
das Publikum sollte sich in Andacht gesammelt
bei den Musen (die in der Regel auch bildlich
zugegen waren) zu Gaste fühlen. Kaufmanns
Verhältnis zum Theater hat mit dieser Auffassung
kaum etwas gemein. Für ihn ist Theater
vor allem gesellschaftliche Veranstaltung, Spiel,
Fest. Ein Fest, das dem Publikum gegeben wird,
das aber zugleich das Publikum sich selbst gibt.
Theater wird nicht nur oben auf den Brettern,
sondern auch im Parkett und in den Rängen gespielt
, wenn sie mit einer bunten, festlich angeregten
, sich neugierig beschauenden, kritisierenden
und genießenden Menge gefüllt sind.
Darum wird die Bühne nicht vom Zuschauerräume
durch einen architektonischen Hiatus

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