http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_58_1928/0157
gang durch das vorgelegte Bürohaus
geführt und auch der Kassenraum
noch darein eingebettet werden
mußte. Das Theater hat also keine
eigene Fassade. Diese Schwierigkeit
hat Kaufmann geschickt überwunden
, und es ist ihm, wie in seinen
andern Theatern, so auch hier gelungen
, aus beengten Verhältnissen
eine sich glücklich entwickelnde und
steigernde Raumfolge zu schaffen.
Hat der Besucher den Zugangskorridor
durchschritten, so nimmt
ihn die Kassenhalle auf, in deren
kreisrunder Form der Raum gesammelt
und sozusagen zum Stehen
gebracht wird. Alsbald istdieGrund-
note behaglicher Abgeschlossenheit
angeschlagen, und sie wird verstärkt,
wenn man die wenigen Stufen zu
dem kleinen Foyer hinabsteigt,
das den Besucher mit der ganzen
Wärme eines vornehmen Innenraumes
empfängt. In der Achse des
Foyers befindet sich der Hauptzugang
zum Zuschauerraum, dem auf
allen Seiten ein Umgang vorgelegt
ist. Mit geschmackvoller Zurückhaltung
ausgestattet bilden Foyer
und Umgang eine wohlberechnete
Vorbereitung auf den Zuschauerraum
selbst, der hiernach mit der
vollen Musik seiner heiteren Festlichkeit
wirkt. In warmen gelben
und rostroten Tönen gehalten und
von mildem Lichte gleichmäßig
durchflutet ist er in allen seinen
Teilen auf den ersten Blick übersichtlich
, und überall trifft das Auge
auf klar geordnete, anmutig ansprechende
Formen. Betrachtet man
den Grundriß des Theaters, so
wird man beobachten, daß Kaufmann
planmäßig darnach gestrebt hat, die menden Bewegung, die nie beunruhigt, aber
Raumformen in sanften Kurven zu führen, dem Räume einen Fluß und eine Reschwingt-
Das beginnt in der Kassenhalle und setzt sich heit mitteilt, die sich auf den Rhythmus des
im Foyer und im Umgange fort; der Zuschau- Lebensgefühles der Besucher selbst übertragen,
erraum selbst ist in der bekannten Hufeisenform Und dieser Rhythmus durchdringt alle Teile
gebildet und schwingt sich in den Proszeniums- und Glieder des Bauwerks. Er durchdringt
logen der Bühne entgegen. Es ist diese Anord- seinen Schmuck, in dem Kaufmann eine kluge
nung, auf der zuletzt der Rhythmus des Baues Zurückhaltung beobachtet hat. Ein Theaterberuht
, dieser Rhythmus einer feinen, in wech- räum wie dieser, der in erster Linie als Rahmen
selnden Formen sich erneuernden und aufneh- eines festlich bewegten Gesellschaftslebens die-
O. KAUFMANN. TREPPENGELÄNDER IN DER „KOMÖDIE"
10
121
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_58_1928/0157