Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 58. Band.1928
Seite: 128
(PDF, 76 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_58_1928/0164
Rechteck dar von über 160 m Seitenlänge. Den
fünfgeschossigen Fronten sind Pfeiler in der
ganzen Höhe vorgelagert, die von der Saaldecke
an einer Stelle nur wenig überhöht werden.
Das Projekt ist von einer frappierenden Einlachheit
und macht auf den Beschauer einen
so überzeugenden Eindruck, daß gewisse Schwächen
bezüglich Belichtung der Räume darüber
vergessen werden.

Die Arbeit Fahrenkamp-Deneke geht im Gegensatz
dazu von dem Grundsatz aus, das Raumprogramm
in drei verschiedenen Bauten zu erfüllen
: Sitzungsgebäude, Verwaltungsgebäude
und Expedition mit Nebenräumen. Um zu
vermeiden, daß man vom Eingang an der Lau-
sannerstraße zu dem Gebäude herunter gehen
muß (ein Fehler, der nur von wenigen erkannt
und vermieden worden ist), ist die Anfahrt in
der Höhe der Lausannerstraße horizontal weitergeführt
(durch Anschüttung) bis zum See,
wo sie in einem großen Platz ausläuft, der mit
einer 13 m hohen Mauer zum Wasser abfällt.
Auf dem Wege zu diesem Platz durchschreitet
man einen quadratischen Ehrenhof mit innerer
Pfeilersteilung (dahinter die Expeditionsräume)
und findet dann auf dem großen Platz am See
mit Blick auf den Montblanc auf der einen
Seite das Sitzungsgebäude, auf der andern Seite
das Verwaltungsgebäude, die auch unter dem
Platz hindurch miteinander verbunden sind.
Welcher Entwurf zur Ausführung kommen
soll, darüber wird in Genf schon seit Monaten
beraten; der Ausschuß besteht aus Vertretern
der nicht mit Preisen bedachten Staaten: England
, Tschechoslowakei, Griechenland, Japan
und Kolumbien (das sieht fast wie Selbstironie

aus). Hoffentlich kommt nicht das im Völkerbund
übliche Kompromiß heraus. Der Wunsch
aller, die es mit der neuen Kunst ernst meinen,
kann nur der sein, nochmals einen engeren
Wettbewerb auszuschreiben, nach dem auf
Grund der bisherigen Ergebnisse grundsätzliche
Fragen geklärt sind. Sollte es hierzu nicht
kommen und ein Franzose oder Italiener die
Arbeit erhalten, so kann man nur wünschen,
daß Corbusier den Auftrag bekommt. Die
Genfer, die ihn stark stützen, werden sich zwar
wundern, aber der Bau wird für die Kunst
einen großen Fortschritt bedeuten, während eine
Arbeit der Pariser Schule in der Entwicklung
der Baukunst nicht mitsprechen könnte.

Albert Deneke

Im Augenblick des Redaktionsschlusses kommt
die Nachricht von der Entscheidung des zur
Auswahl des Bauplanes eingesetzten Unterkomitees
; dieses hat den Beschluß gefaßt, dem
Völkerbundsrat das Projekt der Architekten
Nenot-Paris und Flegenheimer-Genf zu empfehlen
. Dieser an sich sehr bedauerliche Entschluß
, der an Stelle einer gerade hier notwendigen
Lösung von neuzeitlicher Baugesinnung
eine solche setzt, wie sie schon vor langen Jahren
nicht mehr hätte prämiert werden dürfen,
wird aber katastrophal dadurch, daß vonNenot
und Flegenheimer ein neuer Entwurf unter
Zuziehung des französischen Architekten
Lefevre, des ungarischen Architekten Vago
und der drei italienischen Architekten Broggi,
Vaccaro und Franzi ausgearbeitet werden soll.
Gibt der Völkerbundsrat diesem Vorschlag seine
Zustimmung, so ist als Resultat ein Sammelsurium
aller erdenklichen Stile zu erwarten.


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