http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_58_1928/0174
MAX ESSER. ILTIS
bewirkt, daß jetzt die Meißner Manufaktur
wieder eine Porzellanplastik besitzt wie keine
andere zur Zeit, die langsam vergessen läßt, was
einst das 18. Jahrhundert auf diesem Gebiet
gesündigt.
Max Esser ist Tierplastiker. So hat er hier der
Figurenplastik, die Scheurich geschaffen, die
Tierplastik hinzugefügt, die einst unter Kandier
in der Manufaktur eine so große Rolle gespielt
hat. 1885 in Barth in Pommern geboren, hat er,
bevor er sich dem Porzellan widmete, zunächst
in den Jahren 1900—1903 eine praktische
Lehre durchgemacht und war dann einziger
Schüler Gauls, des besten, leider viel zu früh dahingegangenen
Tierbildners unserer Zeit geworden
. Er konnte wohl kaumeinen besseren Lehrer
finden, auch kaum einen geeigneteren
für die spätere Porzellanarbeit. Gaul,
der große Gestalter in einfachen Linien
und Flächen, war Stilist, zwar ein Stilist
in der Regel für großen Maßstab, aber
damit doch einer, der lehrte, die Natur
nicht einfach abzuschreiben, vielmehr
sie auf Grund besonderen Sehens, sowie
auch des jedesmaligen Materials
umzusetzen. Damit war für Esser die
Klippe des Naturalismus vermieden.
Er hat dann in Berlin noch fleißig die
Abendklassen der Berliner Kunstgewerbeschule
besucht, sowie auch kurze
Zeit die Kunstakademie. Dann hat er
sich auf dieBronze geworfen, hierbei besonders
die Einlegearbeit mitMetallen,
die Tauschieruug, gepflegt und so eine
ganze Reihe trefflicher Vogeldarstellungen
geschaffen, die durch ihre Eigenart
gleich beträchtliches Aufsehen erregten
. Mehrere von ihnen, so das Perlhuhn
, der Pfau, die Kampfschnepfen-
gruppe, sind auch bereits in die Nationalgalerie
gelangt. Dann kam seinÜber-
gang zum neuen Material, dem so ganz
anders gearteten Porzellan. Esser begriff
die Schwierigkeit dieses Ubergangs
völlig. Wie kein anderer Künstler vor
ihm, der in diesem Material zu arbeiten
wieder unternahm, beschloß er, seiner
Herstellungsstätte so nahe wie möglich
zu sein. So siedelte er für Jahre ganz
nach Meißen über, vertiefte sich hier
in diesen Stoff, soweit es nur eben ging,
um vollste Kenntnis seiner Eigenarten
und seiner Technik zu erlangen. Das
ist ihm dann auch bald völlig geglückt. Zwar
seinen ersten Werken merkt man noch etwas
den früheren und auch gleichzeitigen Metall-
plastiker an. Manches in ihnen erscheint noch
etwas zu spitz, zu stachlich, zu scharfkantig. In
seinem bisherigen Hauptwerke, dem großen, so
umfangreichen Tafelaufsatze aus der Reineke-
Fuchs-Sage (Widder, Wolf, Bär), rang er
sich jedoch dann ganz zum wirklichen Por-
zellanplastiker durch. Doch suchte er sich
auch hierbei beständig zu verbessern, schuf
mehrere der zu ihm gehörenden Tierstücke
doppelt, indem er dabei unter Weglassung alles
überflüssigen Details zu immer größerer Einfachheit
zu gelangen strebte. Dabei aber vergaß
er keineswegs die stellenweise feinere Durchbil-
136
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_58_1928/0174