http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_58_1928/0190
Vermag man nun auch im Möbelbau auf die
Serienarbeit nicht mehr zu verzichten, so kann
man vielleicht dem Modell einen Charakter, ein
Gesicht geben, das mehr Kraft des Ausdrucks,
mehr muntere Laune zeigt, als man ihm bisher
zu geben verstand. Den „Vereinigten Werkstätten
A.-G." in München gebührt das Verdienst
, sich zur Verringerung jenes Gegensatzes
zwischen tieferem Anspruch und billiger Nüchternheit
um neue Lösungen zu bemühen. Zu
diesem Zweck hat sich dieses rührige Unternehmen
der Mitarbeiterschaft eines Künstlers
versichert, der auf Grund seines rheinischen
Naturells und seiner undogmatischen Schaffensfreude
wie kaum einer zu solchen Aufgaben bestimmt
erscheint. Von F. A. Breuhaus stammen
die hier abgebildeten „Neuen Wohnräume", bei
denen die „Vereinigten Werkstätten" die Ab-
F. A. BREUHAUS
sieht leitete, nicht das billigste, sondern das wohlfeile
und gefällige Möbel zu schaffen. Zimmer,
wie sie der mehr geistig als finanziell bemittelte
Mittelstand benötigt, und deren Preis die Zwei-
tausend-Mark-Grenze nicht überschreit et. Interessant
ist der Versuch, durch gleichzeitige
Verwendung von verschiedenen Furnieren, von
Rotlack- und Messingdekor einen gewissen
Reichtum der Wirkung zu erzielen. Um diesem
Verlangennach BuntheitundLebendigkeit unter
Wahrung künstlerischer Einheitlichkeit noch
mehr entsprechen zu können, haben die Vereinigten
^Ve^kstätten durch ihre Textilabteilung
auch eine große Auswahl von sehr wirkungsvollen
Dekorations- und Bezugsstoffen herausgebracht
. Die zumeist ebenfalls von F. A. Breuhaus
gezeichneten Entwürfe zeigen einesteils
eine geschickte Benutzung webtechnischer
GOBELINSTOFF UND BESTICKTER TÜLL. ENTWURF:
Vereinigte Werkstätten A.-G.
150
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