http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_58_1928/0195
KURT FRICK. HAUS FRICK. VORDERE TERRASSE MIT EINGANG
EIN LANDHAUS IN KÖNIGSBERG VON ARCH. KURT FRICK
Wenn der reichgewordene Bürger vor zwanzig
Jahren baute, dann pflegte er nicht viel Umstände
zu machen. Er wandte sich einfach an
einen der zahlreichen Maurermeister und ließ
sich für sein gutes Geld nach seinen Wünschen
ein Haus mit allem Komfort bauen. Handwerklich
wurde das im besten Falle gediegen, künstlerisch
fast immer schlecht. Verwunderlich
war das auch nicht weiter, denn selbst bei den
Gebildeten gehörte das Bauen nicht zu den Angelegenheiten
, bei denen man eines Künstlers
bedurfte. Gründliche Wandlung ist eingetreten:
Nicht nur der Baumeister ist wieder Künstler
und seine Kunst wird sogar als die Mutter aller
Künste geehrt, darüber hinausist diese konservativste
aller künstlerischen Betätigungen schneller
als man gedacht von dem Wust historisierender
Tendenzen befreit und in Neubildung
eigenen Stils auf eigene Füße gestellt worden.
Die Gestaltung eines Hauses, das bewußt aus
seinem Grundriß herauserwächst, und sein
Rhythmus sind wieder zum Ausdruck scharf
geprägter Persönlichkeiten geworden, sind im
guten Falle Abbild des herrschenden Typus
unserer Zeit, im allerbesten sogar eine zeitlose
Manifestation schöpferischer Menschen. So verstanden
, vernünftiger gesagt, so neugeboren
und erlebt, konnte jede Architektur Zweck und
Kunst in sich vereinigen.
Die Vereinigung von praktischer Notwendig-
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