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ANTONIE MUTTER. KLEINER REITER
S t e i n g u t f a b r i k e n Velten-Vo rdamm
ARBEITEN DER STEINGUT-FABRIKEN
VELTEN-VORDAMM BEI BERLIN
Technik und Maschine beherrschen heute die
Welt. Und sie fragen nicht darnach, ob uns
das paßt. Sie sind da, und wir müssen uns damit
abfinden. Aber es wäre ganz falsch, zu glauben,
daß durch die Industrie das Handwerk: für
immer erledigt sei. Es ist vielmehr gerade das
Gegenteil der Fall. Der Massenartikel ist notwendig
und unentbehrlich für den Massenbedarf.
Er ist billig und erfüllt seinen Zweck. Aber er
ist ohne Seele und meist auch ohne Persönlichkeit
. Und gerade diese beiden Elemente vermißt
der Anspruchsvollere nur ungern. So wird die
Sehnsucht nach dem Erzeugnis des Handwerks,
dem Einzelstück, durch den Massenartikel neu
geweckt. Und wir sehen deshalb überall in
Deutschland meist junge Werkstätten im Betrieb
, in denen für den besseren Geschmack
(und nicht nur der wirtschaftlich kräftigeren
Schichten) allerlei Gebrauchsgegenstände nicht
maschinell, sondern mit der Hand hergestellt
werden.
Eine dieser Werkstätten ist den Steingulfabri-
ken Velten-Vordamm in Velten bei Berlin angegliedert
. Zweck dieser Fabriken ist selbstverständlich
zunächst die Massenerzeugung.
Aber sozusagen als naturgemäße Reaktion gegen
diese Form der Erzeugung hat sich allmählich
wie von selbst im Rahmen dieser Fabriken ein
handwerklicher Betrieb entwickelt, der klein
anfing und heute bereits eine Bedeutung erlangt
hat, die kaum zu hoch eingeschätzt werden
kann. Denn was hier von einer verhältnismäßig
kleinen Schar von Künstlern und Künstlerinnen
geleistet wird, gehört zu dem künstlerisch
wie technisch Einwandfreisten, was heute in
Deutschland an keramischen Erzeugnissen produziert
wird.
Das Wesentliche dieser Arbeiten ist, daß hier
das Besondere des Steinguts und seiner Deko-
koration sowie der echten Fayence, die auf
eine neue, solide, technische Grundlage gestellt
und dadurch erst konkurrenz- und entwickle
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