Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 58. Band.1928
Seite: 196
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lungsfähig geworden ist, erkannt und ausgewertet
ist. Man hat Steingut allzuoft behandelt
, als sei es Porzellan. Hier aber wird es
so bemalt, wie es das Material fordert und wie
es nur auf diesem möglich ist. Und dieses
Wesentliche ist eine sehr kräftige, derbe,
leuchtende, ungemein dekorative Farbigkeit.
Ungefähr das gleiche gilt, soweit es sich um
Materialgerechtheit handelt, für die Fayence.
Nur wirkt hier die Bemalung zarter, weicher
als beim Steingut.

Die erste Meisterin und Wegweiserin auf dem
Gebiet der Handbemalung im Veltener Werk
ist Charlotte Hart mann gewesen, eine Künstlerin
von unfehlbarer handwerklicher Sicherheit
und von einer erstaunlichen Vielseitigkeit
in der Erfindung von Geschirrformen und malerischem
Dekor. Sie hat die künstlerische Tradition
des Werks für Steingut und Fayence
geschaffen und in Else Dörr, Antonie Mutter,
Martin Hahm, Theodor Bogler und Louise

Harkort ebenbürtige Nachf olger gefunden. Modelliert
und dekoriert, letzteres frei aus der
Hand auf dem Gegenstand selbst und nicht nach
Entwürfen auf dem Papier, werden Gebrauchsgeschirre
wie Kaffee- und Teeservice, Blumentöpfe
usw. und dekorative Keramiken wie
Schmuckteller, Vasen, Schalen, Figürliches. Alle
diese Arbeiten tragen unverkennbar die Merkmale
handwerklicher Plerstellung, und bezeichnenderweise
auch dann, wenn sie Serienstücke
sind. Sie sind persönlich, originell und doch
nicht extravagant, eminent dekorativ und, wo
es sich um reine Gebrauchsgeschirre handelt,
mit Feinfühligkeit und Geschmack ihrem besonderen
Zweck angepaßt. Farbe und Form
sind eins geworden. Und man stellt vor diesen
Arbeiten mit Befriedigung fest, daß im künstlerischen
Handwerk auch heute noch die gleiche
schöpferische Kraft lebendig ist wie in irgendeiner
handwerklichen Glanzperiode der Vergangenheit
. Richard Braungart

ANTONIE MUTTER. TÄNZERPAAR

Steingutfabriken Velten- Vor dämm

196


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