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JAROSLAV BRYCHTA, DON QUICHOTTE UND SANCHO PANSA
HUMOR IM GLAS
In unserer schweren und aufgeregten Zeit, die
für gemütliche Beschaulichkeit kaum noch ein
Organ besitzt, begrüßt man es mit dankbarer
Freude, wenigstens ab und zu auch einmal lächeln
zu können ohne sich nachträglich darüber
ärgern zu müssen. Aber ursprüngliche Begabungen
, die uns mit anständigen Mitteln in
heitere Stimmung zu versetzen vermöchten, sind
selten. Im Kunstgewerbe wird gar aus jedem
lustig wirken sollenden Objekt nur zu leicht
Gschnas und Kitsch, womit sich die Armen im
Geiste zufriedengeben mögen, was jedoch bei
einigermaßen Verwöhnten die entgegengesetzte
Wirkung auslösen muß.
Wie freuten wir uns, als Marianne von Allesch
in Berlin uns zum ersten Male statt der langweiligen
durchnittlichen Thüringer Glasbläsereien
wirklich humorvolle Phantasien in der
gleichen Technik bescherte, wie den Überdackel
und Mitgenossen, die selbst noch in schwächlichen
Epigonen, zu denen ich die meisten Arbeiten
der österreichischen Bimini-Werkstätten
zähle, große Heiterkeit verbreiten.
Nun taucht ein neues verwandtes Talent auf,
das in seiner Ahnenreihe ebenfalls das ,,Blaue
Haus" aufführen kann, sich aber doch eine andere
Technik zurechtgelegt hat, die zum Teile
auf die aufgefädelten Glasperlenarbeiten der
Margarete Naumann in Plauen zurückgeht. Es
ist dies Professor Jaroslav Brychta von der Fachschule
in Eisenbrod in Böhmen, dessen zahlreiche
Arbeiten kürzlich zum ersten Male auf deutschem
Boden, nämlich im Landesgewerbemuseum in
Stuttgart, vorgeführt wurden und allgemeinen
Beifall fanden.
Geboren in Pohodli bei Leitomischel am 11. März
i8g5 hat dieser junge Künstler zunächst die Prager
Kunstgewerbeschule besucht, später noch ein
Semester an den Glasfachschulen von Steinschönau
und Haida zugebracht und sich daselbst
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