Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 58. Band.1928
Seite: 289
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Fortsetzung von S. 278

so daß für die wahre Gestaltung nicht
allzuviel übrig bleibt. Das ist aber
nicht der Realismus, den wir raeinen.
Zum Ganzen dieser neuen Einzelwohnbauten
wäre noch zu sagen, daß
die neu angewandten Kompositionsmittel
Licht und Luft noch nicht genügend
eingeschmolzen sind ins Bau-
gefüge. Licht als Raumgestalter (in
Treppenhäusern, in Zimmern, als Zo-
nierung usw.) ist in seiner Produktivität
noch gar nicht genug erkannt und
verwertet. Künstliches Licht als Gestaltungselement
beginnt man eben erst
zu erkennen. Und wie man den engen
Grundriß durch Luft weiten kann, das
ist auch noch kaum probiert. Die Terrassen
sind oft noch nur erst angefügt
, und manche Dachgärten wirken
nur erst wie Capriccios. Daß dabei
die Stockwerkteilung durchschnittlich
ganz im Rahmen des Alten bleibt,
verschärft natürlich den Mißstand.
Fließende Luft durchs ganze Haus —
wer schalft sie?

Und doch! Eine neue Architektur ist
im Werden! EinneuerRaum! Das Auffallende
an ihm: Verschleifung und
Durchdringung der Kleinräume zum
frei atmenden Großraum. Man soll
nicht verkennen, daß auch hier die
Not die Mutter der Tugend ist: wir
können uns keine großen Grundflächen
mehr leisten. So wird also auch unser Einzelraum
klein. Ich kann ihn nur erweitern,
indem ich die Trennungswände nur halbhoch
ziehe, so daß ich in dem einen Raum die
Raumkraft des andern mitspüre. (Die weite
Decke ist sinnfälliger Ausdruck des weiten
Raumes!) Bei manchem (z. B. bei Le Corbusier-
Jeanneret) wird diese materielle Notlüge aber
zur küustlerischen Wahrheit: mit der Verschränkung
und Zusammenbindung der Einzelräume
zum Einraum — praktisch sicher
noch problematisch — schalft er jenes in sich
verklammerte,invielenEntsprechungen lebende,

BEDRUCKTES LEINEN. ENTWURF F. A. BREUHAUS

Vereinigte Werkstätten A.-G.

straffe und doch elastische Gefüge, das unser
Leben umschalt und doch freiläßt, das es nicht
willkürlich individuell umbaut, sondern ausströmen
läßt mit Raum und Licht und Terrasse
ins große „Draußen", dessen Kräften also
sich einbindet und alle enge Anthropomor-
phisierung in das nur „Gestalthafte" des Renaissancehauses
— id est: des Hauses bis
gestern — ausschließt. Und so — und nur so
vermag heutige Architektur das aktuellste Problem
heutiger Menschheit, den Gegensatz: Individualismus
und Kollektivismus einer Lösung
näher zu bringen: der Mensch, der sich öffnet
den fordernden Kräften der Erde. o. S.

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