Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 59. Band.1929
Seite: 60
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_59_1929/0086
schaffen. Freilich ist es nicht dasselbe, ob der
starke Wille eines über reiche Mittel verfügenden
Kunstfreundes ein Museum gestaltet, das
ganz dem kultivierten Geschmack der Persönlichkeit
entspricht, oder ob eine öffentliche Stelle
Kunst sammelt. V011 den Beständen öffentlicher
Museen wird eine ähnliche Wirkung, wie von
den privater Initiative entstammenden Sammlungen
, nur dann ausgehen, wenn der für das
Museum Verantwortliche eine ähnlich starke
Persönlichkeit ist, wie der aus eigener Kunstliebe
sammelnde Mäzen, und wenn einem solchen
Museumsleiter nicht von unsachverständiger
Seite in seine Arbeit hineingeredet wird. Wir
hatten in Deutschland nur ein öffentliches Museum
, das einmal kurze Zeit durchaus den Stempel
der Persönlichkeit seines Direktors trug;
es war die Mannheimer Kunsthalle in der Zeit
Wicherts. Unter Wiehert ist in Mannheim ein
ganz erstaunlicher Wandel geschaffen worden.
Nicht nur entstand eine Galerie, in der noch
heute mit die höchstwertigen französischen und
zum Teil auch deutschen Bilder zu sehen sind,
die sich überhaupt in einer öffentlichen deutschen
Sammlung befinden; Wiehert hat es vielmehr
auch fertig gebracht, die Bevölkerung
einer Stadt, die bis dahin zur modernen Kunst
noch kaum ein Verhältnis hatte, tatsächlich an
sein Museum zu fesseln.

Es hat sich in den letzten Jahren die Unsitte herausgebildet
, daß fast alle Leitungen der Museen
größerer Städte Bilder der gleichen Künstler
kaufen zu müssen meinen.

Daher kommt es, daß so viele unserer modernen
Museen heute einander gleichen. Der seine Aufgabe
richtig erfassende Museumsleiter hingegen
wird die Kunstwerke nicht der öffentlichen
Meinung folgend wählen, sondern zunächst
einmal nach dem persönlichen Geschmack,
ferner aber auch unter Berücksichtigung der
örtlichen Bedürfnisse. Damit kommen wir zur
entscheidenden Beantwortung der Frage, ob
kleine Städte Sammlungen moderner Kunst
haben sollen. Ein von der örtlichen Uberlieferung
unabhängiges modernes Museum können
sich unter den kleineren Städten nur Orte, wie
Winterthur, leisten, in denen private Jniative
jeder Rücksicht auf die örtlichen Bedürfnisse
enthoben ist. Eine amtliche Stelle, die sammelt,
hat zugleich bestimmte Verpflichtungen gegenüber
der Öffentlichkeit. Eine dieser Verpflichtungen
ist unzweifelhaft, das heimatliche Kunstschaffen
darzustellen. Dies soll nicht etwa bedeuten
, daß jeder Maler der Gegend im Kunstmuseum
vertreten sein muß; aber es sollten die
wichtigeren Künstler immerhin entscheidend
hervorgehoben werden. Aufgabe des Museumsleiters
ist es, dafür zu sorgen, daß tatsächlich
nur das Beste aus dem örtlichen Kunstschaffen
erworben wird, damit der Abstand zwischen
den Hauptwerken der allgemeinen Kunstentwicklung
und den Schöpfungen der Heimat
nicht zu groß werde. Eine solche Gestaltung
des modernen Museums ist, wenn nur der Museumsleiter
selbst genug Sicherheit hat, Minderwertiges
zu vermeiden, durchaus möglich. Auf
diese Weise kann auch in kleineren Städten
eine wichtige und nützliche Aufgabe der Kunsterziehung
geleistet werden. Mögen die Großstädte
sich darauf beschränken, das Beste der
allgemeinen Entwicklung zu zeigen, die kleineren
Stadtmuseen sollen die Kunst ihres Bezirks
vor allem pflegen.

Das Museum in Ulm hat den Versuch gemacht,
seine nunmehr vier Jahre bestehende moderne
Abteilung in diesem Sinne auszubauen. Die
Schöpfungen der ganz Großen fehlen durchaus
nicht. Delacroix ist mit einer vorzüglichen
Studie zu Dante und Virgil vertreten; Corinth
mit einem ausgezeichneten Frühwerk. Auch
einige lebende Künstler aus dem weiteren
Deutschland und aus Frankreich sind zur Ver-
gleichung herangezogen. In der Hauptsache
jedoch beschränkt sich das Museum auf die
Erwerbung alemannischer Kunst. Das ganze
Gebiet alemannischen Wesens soll in dieser
Sammlung durch die besten Leistungen der
heimischen Künstler vertreten sein. Die großen
Gruppen der alemannischen Kunst sollen möglichst
übersichtlich vorgeführt werden. Das
Programm ist etwa folgendes: Die Karlsruher
Schirmerschule, Schirmer selbst, sodann seine
Schüler, Thoma, Lugo, Böcklin, und wiederum
deren Schüler bis zu Welti und in die Gegenwart
hinein. Vorhanden ist ein schöner Sommertag
am Oberrhein von Thoma und eine Eislaufbahn
des Berners Eduard Boß (Abb. S. 63).
Weiterhin Hodler und sein Kreis, Amiet, Buri.
Die Stuttgarter Freilichtmaler: Keller, Haug,
Landenberger.Pleuer, Reiniger. DieseAbteilung
ist mit zwei schönen frühen Landschaften von
Reiniger (Abb. S. 59), einer Dorfwiese von
Haug, einem Stuttgarter Bahnhof von Pleuer,
einem Steinbruch von Friedrich Keller und
einem Ammersee von Landenberger am besten
angebaut. Hierzu gehören die Münchener

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