Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 59. Band.1929
Seite: 63
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ein Schema, ein mathematischer Rest. Es sind
die Dinge entkleidet, aber so wirken sie ziemlich
plebejisch.

Das Geheimnis liegt eben darin, daß der Kern
der Dinge im Sinn der Klassik das Leben
selbst ist: geistig, feurig, gespannt von Bewegung.
Während man heute gewaltsam und rechnerisch
zum Einfachen zurück möchte, aber im
Grunde den lebendigen Geist leugnet, jedenfalls
ihn nicht besitzt, und daher ist diese Schlichtheit
dürftig.

Ironie des Geschehens: das gleiche Wort taucht
auf, die gleiche Forderung, doch sie wirkt das
Entgegengesetzte. Die Kunst ist eben eine strenge
Richterin, vor ihr gibt es keine Verstellung,
man mag sich gebärden, wie man will: der
Reiche zeigt in ihr seine Schätze, der Arme

sein Bettlertum. Rudolf von Delhis

Der wird der Maler sein, der wahre Maler, der dem
jetzigen Leben seine epische Seite zu entreißen versteht
, der uns, mit Farbe oder Zeichnung, wird sehen
und begreifen lassen, wie sehr groß und poetisch wir
in unseren Krawatten und Lackstiefeln sind.

Charles Baudelaire.

*

Von den alten Meister hat jeder sein Königreich, sein
Leibgedinge, und oft ist er gezwungen, mit berühmten
Rivalen es zu teilen. Raffael hat die Form, Rubens
und Veronese haben die Farbe, Rubens und
Michelangelo die zeichnerische Imagination. Ein Teil
des Reiches blieb, in den allein Rembrandt ein
paar Ausflüge gemacht hatte, das Drama. Das natürliche
, lebendige Drama, das Drama furchtbar und
voll Melancholie oft durch die Farbe, stets aber durch
die Geste ausgedrückt. In erhabenen Gestalten hat
Delacroix Rivalen nur außerhalb der Grenzen seiner
Kunstgattung. Ich kenne da nur noch Frederic
Lemaitre und Macready.

Baudelaire über Delacroix.

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