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WERNER PEINER. WINTER IN DER EIFEL
geschätzten ßildnismaler J. G. Ziesenis ,von dem
wir auch das beste Porträt des Alten Fritz besitzen
, anschließen kann.
Von weitauswirkender Bedeutung wurde die
pfälzische Kunst, besonders die Malerei, als im
Jahre 1777 Karl Theodor, der ein außerordentlicher
Förderer der Kunst in seinem kleinen
Bereich war, das Erbe des bayerischen Kurfür-
stentu ms antrat und nach München übersiedelte.
Karl Theodor konnte der Künstlerschaft, die
er in Mannheim um sich versammelt hatte, nicht
entraten, er verpflanzte sie an seinen Hof nach
München, und hier wirkten die „Mannheimer"
als Sauerteig. Die Phalanx derMünchener Maler
von Rang war damals, zu Ende des 18. Jahrhunderts
, kläglich dünn geworden. Neben Edlinger
wirkten eigentlich nur die paar Landschaftsmaler
von einiger Geltung, die vom älteren
Dorner und von Beich ausgegangen waren;
es bedeutet also den Beginn einer neuen Entwicklungsphase
der Münchener Malerei und
schwingt damit in den größeren Werdegang
der gesamten deutschen Kunst hinaus, daß so
tüchtige Künstler wie Matthias Klotz, die drei
Kobell, Lorenz Quaglio, von dem eine zahlreiche
, kunsttätige Familie ausging, Conjola,
Kellerhoven, Mannlich, Ludwig Neureuther
u. a. damals dem Münchener Kunstleben neue
Impulse gaben. Einen besseren Schilderer Münchener
Begebenheiten und der Voralpenlandschaft
wie Wilhelm von Kobell kann man sich
kaum denken.
All diese Dinge einer interessanten Entwicklung
zeigt die Ausstellung. Es handelte sich für die
Veranstalter, an deren Spitze als kunsthistorischer
Organisator Prof. W. GräfF, Hauptkon-
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