http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_59_1929/0124
ERICH HECKE L. MAININSEL
Farbenblick, der dann nicht alles aufzulösen
vermochte, dem Zusammenstoß der bröcklig
grauen Häusermassen und des grün-blauen
Wassers. Beides einzige Auffindungen, dem
Lande eint sich noch die Luft, überdecken sie
die zeichnerisch ausgeprägte Empfindung des
Zusammenhalts und Aufbaues der wimmelnden
und unruhigen Stadt durch die starre
raumschaffende Festungsanlage.
Dieser Maler schenkt immer wieder neuentdeckte
Färb Verhältnisse, in denen er seine und
des dargestellten Lebens Weisheit zu verwirklichen
sucht. Kaum mehr gibt er ein einzelnes
Licht, eine Farbe die allein wirksam bleibt.
Immer ein Zusammenspiel. Selbst bei der laut
und üppig von ihrem steifen Stil tönenden
Amaryllis (1927). Der helle, blau-graue Fries
dahinter ist für ihr fremdprunkendes Rot
beides, Luft und Grund, die sie mit werden
lassen: nicht nur als Farbe, auch als Wesen.
In solchen Blumenstilleben kann der Trieb
Heckeis zum Gegenstand, und weil er ihn liebt,
die ihm zugewendete sich mehrende Deutlichkeit
und Schönheit der Darstellung glücklich
unabgelenkte Verwirklichung finden. Und
die Empfindung, wie sie durch das Seh- und
Lebenswerte bestimmt wird, läßt nie der Farbe
oder Zeichnung eine falsche in zu rascher Beruhigung
erzeugte Fertigkeit zu. Gerade bei den
Blumen scheint sich die Bild- und Verwirklichungsidee
am raschesten mit der geistigen
Erregung zu decken. So ist das Schema der
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