Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 59. Band.1929
Seite: 99
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FRIEDRICH VON NERLY

ZUM GEDÄCHTNIS SEINES FÜNFZIGJÄHRIGEN TODESTAGES

Vor fünfzig Jahren, am 21. Oktober 1878, erlag
der Maler Friedrich von Nerly in Venedig
einem langwierigen Leberleiden. Der verheißungsvolle
Anfang seiner Künstlerlaufbahn
und deren Blüte fällt in die Zeit seines römischen
Aufenthaltes von 1828—1835 und in die
der ersten Jahre in Venedig.
1807 in Erfurt geboren, kam Nerly schon als
Knabe nach Hamburg zu Verwandten, die,
selbst künstlerisch tätig, sein Zeichenlalent verständnisvoll
förderten. Mit Vorliebe betrieb er
die verschiedensten Tierstudien auf den Weideplätzen
in der Umgebung Hamburgs. Hierbei
hatte er das Glück, von dem Freiherrn von
Rumohr entdeckt zu werden, der ihn zu sich
aufsein Gut Rothenhausen nahm, um ihm eine
gediegene künstlerische Erziehung zu geben.
Unter Rumohrs Leitung mußte er hauptsächlich
vor der Natur selbst seine Studien beireiben
, was ganz seiner eigenen Neigung entsprach
und ihm später von großem Nutzen war. 1827
durfte er seinen Gönner und Erzieher auf einer
größeren Reise begleiten, die schließlich bis
nach Italien, dem damaligen Ziel aller Künstler,
führte. Nach längerem Aufenthalt in Oberitalien
, in Florenz, auf der Insel Palmaria und
in Siena, trennte sich Rumohr von seinem
Zögling und dieser zog allein weiter nach Rom.
Durch Empfehlung Rumohrs fand er Eingang
in das Haus des preußischen Gesandten von
Bunsen, das sich den deutschen Künstlern und
Gelehrten stets gastfrei erwies. Hier wurde
er mit dem anregenden Kreis der in Rom
lebenden deutschen Künstler bekannt. Zu
seinen nächsten Freunden gehörten der Altmeister
Joh. Christian Reinhart und der ihm
ziemlich gleichalterige Friedrich Preller. Von
Reinhart sind noch Briefe erhalten, die von
rührender Anhänglichkeit des älteren Meisters
an den jungen Künstler zeugen.
Die ersten Skizzen und Studienblätter Nerlys
aus Oberitalien, die zum großen Teil noch
unter der Aufsicht Rumohrs entstanden sind,
verraten trotz schülerhafter Befangenheit in
Stift- und Pinselführung schon scharfe Naturbeobachtung
. Und doch war es Nerly nicht
leicht geworden, sich in die erhabene, ihm bis

dahin ganz fremde Gebirgswelt, die überwältigend
auf ihn wirkte, hineinzusehen. In Rom,
losgelöst von seinem Lehrer, streifte er die
Abhängigkeit von diesem ab und rang sich zu
freier, selbständiger Auffassung durch. Hier
war es wieder die weite Campagna mit ihren
Ziegen- und Bülfelherden, die den im Flachlande
aufgewachsenen Jüngling zur Darstellung
zwang. Sein erstes größeres Bild nach diesen
Studien „Der Marmortransport durch Büffel",
das 183 1 vollendet wurde (Schwerin, Museum),
machte ihn mit einem Schlage über den engeren
Kreis seiner römischen Kollegen hinaus
bekannt. Die mächtigen, kraftvoll bewegten
Büffel erregten u. a. auch das Entzücken Thorwaldsens
, der als Bildhauer die plastische Herausarbeitung
der mächtigen Tierleiber aufs
höchste bewunderte und sich eine Kopie des
Bildes für seine Sammlung von Werken
zeitgenössischer Künstler bestellte. Solch ein
Auftrag Thorwaldsens bedeutete für den betreffenden
Künstler jedesmal eine besondere
Ehre.

Wie alle seine Studiengenossen besuchte auch
Nerly im Frühjahr und Sommer häufig die
nahen Albaner- und Sabinergebirge. Weitere
Reisen führten ihn an die neapolitanische Küste
und nach Sizilien. Eine große Anzahl Studien
war das Ergebnis dieser Ausflüge. Die meist
leicht getönten Federzeichnungen sind von
köstlicher Frische. Sie besitzen vielfach eine
Großzügigkeit in der Linie, deren Einfachheit
verblüfft. Aber auch das Kleine in der Natur
wurde aufs gewissenhafteste studiert. In den
Vordergrundstudien ist jeder Grashalm und
jede Blüte mit peinlicher Genauigkeit wiedergegeben
. Die anfangs noch zähe und schwere
Farbe wird allmählich immer lockerer.
Diese Naturstudien wurden dann in Rom zu
größeren Kompositionen verarbeitet, die ohne
jede Einschränkung den Werken der bedeutendsten
Maler jener Zeit gleichwertig an die
Seile gestellt werden können. Sehr überzeugend
verstand Nerly es, durch Abgrenzung der einzelnen
Bildgründe in zarten Farbabstufungen
vom Dunkel zur duftigen Helle den Eindruck
der Tiefe hervorzurufen und ihn durch ge-

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