http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_59_1929/0157
LAURENT A.KELLER. PORTRÄTBÜSTE MARY WIGMAN
IGNIS. VON DER TECHNIK DES SCHONEN
Unler dem okkulten Namen „lgnis" arbeitet
seit 30 Jahren in Rom ein origineller Denker,
so geheimnisvoll in seinen Studien wie je ein
Alchymist. Unter seinem gewöhnlichen Namen
ist er dagegen als eleganter Kavalier bekannt.
Er heißt Ruggero Musmeci Ferrari Bravo,
stammt aus Sizilien und errang als Dichter
einen Erfolg, als sein Drama „Rumon" im Stadion
des Domitian auf dem Palatin aufgeführt
wurde. Sonst ist er Bildhauer, Advokat und
Arzt ... in seiner Vielseitigkeit ein wiedergeborener
Mensch der Renaissance. Vor allem
beschäftigte ihn ein Problem, das die Renaissance
bewegte, das einst Leonardo begeisterte.
Schon die Griechen, besonders Potyklet hatte
dies Studium in Atem gehalten und in Ägypten
weise Stirnen in Falten gelegt, es schien eng
verwandt mit den Aufgaben der Quadratur des
Zirkels, des Lebenselixiers, der Verwandlung
der Metalle.
Diesen einst für unlösbar erklärten Fragen geht
die Gegenwart beherzt entgegen und so verbiß
sich lgnis in das Problem des Schönheits-Kanons
, der sogenannten göttlichen Proportion.
Wie muß der Mensch beschaffen sein, um vollständig
schön zu wirken? Läßt es sich errech-
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