Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 59. Band.1929
Seite: 124
(PDF, 106 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_59_1929/0164
OTTO MÜELLER. DORFHÄUSER

dichter und schwerer gewoben. Sie hat sich
konsolidiert und gesättigt, die einzelnen Komplexe
heben sich sammetig leuchtend voneinander
ab, während ehedem der Pinsel die Figur
flüchtiger umschrieb und nur zart aus der verschwebend
angedeuteten Umgebung sonderte.
Aber diese Unterschiede bedeuten neben den
bleibenden Eigenheiten der Diktion nicht viel;
indem man sie begrifflich hervorsucht, übertreibt
man sie schon. Im wesentlichen ist Otto
Mueller nicht von der einmal gefundenen Art
gewichen, die bei manchem herberen Zug nie
annähernd so schroff und trotzig war wie die
dereinstigen Gefährten im Kreise der „Brücke" :
nie brodelnd und ungetüm wie Noldes zyklopischer
Expressionismus, nie sinnlich und kraß
wie Pechsteins Anfänge, nie lapidar wuchtend
wie Schmidt-Rottluffs kubisch monumentali-
sierendes Gestalten, auch nicht von der kühnen
Bizarrerie eines Kirchner und selbst nicht entfernt
so asketisch steil wie Heckeis Konzeption
des in seine Einsamkeit verbannten Menschen,
mit der Otto MueDer stilistisch und imaginativ
noch am ehesten übereinstimmt. Daher konnte

er eine im ganzen beschwichtigte, ihrer künstlerischen
Auffassung nach unleidenschaftliche,
die Harmonie des Zuständlichen aufsuchende
Zeit an sich herankommen lassen, ohne sich
ihr besonders anpassen zu müssen.
Weder im Sentiment noch gar in seiner Bildmethode
entspricht Otto Mueller dem, was eine
idyllisierende Richtung des Nachexpressionismus
kennzeichnet. Deren kühler Genauigkeit
ähnelt er in keinem Zuge; seine Malerei bringt
wenige matt glu tende Farben weich schattend auf
einen rauhen Grund, webt sie gobelinhaft zur
Fläche, ohne im mindesten plastische Klärung
anzustreben. Einzelheiten werden aufgeschluckt
von der porösen Gedämpftheit eines um so tieferen
und geheimnisvolleren Klanges, eingesogen
zumal von der sanften und sammelnden, nur
das Ganze der Haltungumfangenden Zeichnung.
Allein der Rhythmik des Umrisses ist die Bildgestalt
anvertraut, das Umgrenzte versinkt
gleichsam in sich selbst, um nur durch die
Resonanz, die es dem Umriß verleiht, am Ausdruck
teilzuhaben. Die Innenzeichnung beschränkt
sich auf eine erdenklich abgekürzte,

124


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_59_1929/0164