Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 59. Band.1929
Seite: 125
(PDF, 106 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_59_1929/0165
-etwa in einem einzigen leisen Akzent bestehende
Andeutung. Ebenso entsagt der Grund hinter
den Figuren jeglicher Schilderung, auch er beschwingt
und vertieft nur durch sein musikhaftes
Schwanken und Schimmern das Melos der
Körpergebärde, wie es etwa das ganz eigen in
blauem Mollklang gehaltene Stück der Badenden
weist, das hier abgebildet ist, — oder begnügt
sich sogar, die thematische Grundlage
des ßildaufbaus anzuschlagen und so zu seiner
Statik beizutragen, wie z. B. das Zeltdreieck in
dem Zigeunerbild. Nichts also von der bis ins
einzelne deutlichen und scharfen Ausführlichkeit
der nachexpressionistischen Darstellungsweise
, und vollends keine Statik des teilnahmslosen
Konstatierens, sondern ein reicher Gefühlsgehalt
als inneres Schwergewicht und die
Einfachheit der Ausdrucksmittel erst besiegelnder
Sinn.

Diese Kunst, ganz und gar erfüllt von der
Poesie des Passiven, ist um keinerlei Aktualität
bemüht und war es nie. Hingegeben ganz an
-die Ruhe des Zeitlosen, wie sie atmet aus der

anmutig-schwermütigen Gelassenheit schlank
zwischen die Bäume gelehnter Leiber, ausgebreitet
ist über dem kleinen schwarzen Wasser
im einsamsten Gemach des Waldes, lebt sie
selbst, ohne ihre Alterszugehörigkeit irgend zu
verhehlen, außerhalb des Zeitlichen. WTer etwa,
aus dem Verlangen der Stunde nach rigoroser
Aufdeckung des Tatsächlichen heraus oder
nach nüchterner Formulierung des Existenzschemas
, solche in jedem Zuge wie in ihrer
Totalität innig verhaltene und saumselige Kunst
als überholt abfertigen wollte, der würde verkennen
, daß nur das zeitliche Pathos, nur die
heftige Wrillensdokumentation von gestern verdrängt
wird durch die jjrogrammatische Dringlichkeit
des Heute, während die Offenbarung
der zeitentrückten Daseinssubstanz, die Gestaltung
der Muße als der gelebt en und andächtig
bewußten Melodie allen Wesens und Währens
soweit jede Aktualität überdauert, wie ihr Vermögen
an Schönheit und Ahnung, an Vollkommenheit
und Unendlichkeit sie trägt.

Willi Wolfradt

OTTO MÜELLER. PFERDE

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