http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_59_1929/0166
FRANK BUCHSE R. STIERGEFECHT
FRANK BUCHSER
Wir legen an keine Epoche der Kunstentwicklung
einen so strengen Maßstab an wie
an die jüngstvergangene, der wir gerne von
vornherein, gleichsam um unsere eigene Gegenwart
zu rechtfertigen, von der negativen
Seite her oder doch mit gesteigertem Kritizismus
gegenübertreten. Daher kann es nur gut
tun, wenn Jubiläen oder andere Anlässe uns
zwingen, die Leistungen der letztvergangenen
Generationen wieder einmal neu zu betrachten.
Wenn wir auch manchmal konstatieren, etwas
historisch Gewordenem gegenüberzustehen, so
kann doch die erneute Stellungnahme für die
lebendige Wertung dieses Historischen und
gleichermaßen für unsere bewußle Einstellung
zu unserer Zeit bedeutungsvoll werden.
Solche Überlegungen brachten schon die großen
Böcklin-Aussiellungen in Basel und Berlin. Nun
wurde kurz darauf in der Schweiz das Jubiläum
eines etwas älteren Zeitgenossen ßöcklins geleiert
, dessen nicht so allgemein bekanntes
Lebenswerk, aufs neue in repräsentativer Form
vereinigt, als starkes und lebensvolles Dokument
einer Epoche wirkte und, mit neuen
Augen gesehen, doch nicht ganz jenseits der
Grenzen der aktuellen Gegenwart bleiben
mußte. Zudem ist Frank Buchsei' (1828—1890)
auch als Gesamt persönlichkeit interessanter als
mancher andere gute Maler seiner Zeit.
Wenn die Schweizerische Eidgenossenschaft
durch das Departement des Innern die große
Gedächtnis-Ausstellung für diesen Künstler
durchführen ließ, welche in Solothurn, der
Heimatstadt Buchsers, dann in Bern und kurz
darauf in Zürich gezeigt wurde, so ehrte sie
damit die großen Verdienste, welche der welterfahrene
und energische Auslandschweizer
sich um das Kunslleben und die öffentliche
Kunstpllege in der Schweiz erworben hat. Fast
immer im Ausland lebend, an Gefechte aller
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