Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 59. Band.1929
Seite: 136
(PDF, 106 MB)
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rativem Sinne verwendet wurde; zuletzt die
Lithographie, die, durch das kleine Format bedingt
, hier ebenfalls keinen rechten Boden für
ihre Entwicklung fand und mehr auf die graphisch
-dekorative Ausgestaltung der Titelblätter
beschränkt wurde.

Einem künstlerischen Inhalt mußte nun auch
das Außere entsprechen, und so entwickelte sich
auf dem Gebiet der Almanache und Taschenbücher
eine besonders reizvolle Einbindekunst,
deren Geschmack uns heute langsam wieder
näher kommt. Für besonders vornehme Geschenke
wählte man prachtvolles Maroquin
oder ließ die ßüchelchen gar in farbige Seide
binden, hübsche gemalte Vignetten darauf mit
Vasen, Ruinen, antiken Landschaften, mythologischen
Szenen oder allegorischen Figuren.
Die Allegorie konnte hier wahre Orgien feiern,
der romantische Geist kam ihr ja so sehr entgegen
. Besonders die Originaleinbände des
„Taschenbuchs zum geselligen Vergnügen"
von W. G. Becker oder die des Schützeschen
„Taschenbuchs der Liebe und Freundschaft gewidmet
", tragen reichen derartigen Schmuck.
Am häufigsten begegnen wir dabei dem Künstlernamen
Joh. Heinr.
Ramberg.dessenNamen
mit der künstlerischen
Aus s c h m ü c ku n g d er Al-
manache innigst verknüpft
ist. Seine Entwürfe
zeigen vornehmen
Geschmack, die
reichste Phantasie und
verkörpern am anschaulichsten
den Geist seiner
Zeit. Neben ihm begegnet
man andern Namen
von gutem Klang wie
Opiz und sogar Philipp
Otto Runge, dessen innige
Allegorien sich
ganz besonders zur Ausschmückung
der Einbände
eignen mochten.
Großen Wert legte man
auf die Gestaltung der
Titelblätter, indem man
der kujsfergestochenen

GOTTINGER
TASCHENKALENDER
FÜR 1803

Schrift einen geschmackvollen dekorativen Rahmen
gab oder sie selbst mit allerlei Schnörkeln
und kalligraphischen Kunststücken ausstattete.
Der Gebrauch einer sinnigen Titelvignette war
fast allgemein, besonders entzückende lieferten
im 18. Jahrhundert Meil und Chodowiecki, im
ig. Jahrhundert ist es wieder Ramberg oder
auch Fleischmann, die solche kleine Kabinettstücke
zeichneten. Was hier und bei den später
eingeführten Widmungsblättern Geschmack
und Feinsinnigkeit hervorbrachten, ist bewundernswert
, der Geist des entschwundenen Rokoko
lebt hier noch bis tief in die neue Zeit
hinein. Die Titelkupfer der Almanache waren
im 18. Jahrhundert meist noch allegorischen
Inhalts, mit dem zunehmenden Geist der Aufklärung
illustrieren sie historische Szenen oder
geben uns die Porträts interessanter, großer
Persönlichkeiten, von denen der Inhalt des Al-
manachs handelt. Das leitet dann schon über
zu der eigentlichen Illustration, die zuerst in
Form von Monatskupfern in Erscheinung trat,
dann aber auch innerhalb des Textes Raum
gewann. Da diese Art damals allgemein üblich
wurde und kein eigentliches Spezifikum der Almanache
mehr bildet,
mag nur auf die bedeutendsten
Künstler hingewiesen
werden, die
jene Illustrationen ausführten
. Im 18. Jahrhundert
sind es Chodowiecki
, Meil und Geyser,
die, unterstützt von ausgezeichneten
Stechern
wie Mechau, Berger,
Penzel,die Illustrationen
zeichneten, im 19. Jahrhundert
übernimmt
dann Ramberg die Führung
, neben ihm arbeiten
Schubert, Opiz, später
Na cke, Relzsch, Führich
, Cornelius, für den
Stahlstich Endner, Slö-
ber und die ganze W iener
Schule, die in dieser
Technik besonders brillierte
. Dr. Arthur Rümann

RUCKSEITE
DES UMSCHLAGS

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