Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 59. Band.1929
Seite: 162
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_59_1929/0208
Beckmann in Leipzig geboren werden; aber das
Geblüt ist braunschweigisch. Wer je die alten
Gassen von Braunschweig durchlief, entsinnt
sich ihrer rassigen Düsternis und des Schnitzwerks
an den Gebälken, das mit „barbarischer"
Ursprünglichkeit zu chimärischen Figuren geformt
ist. Eine niederdeutsche Stadt in reiner
Prägung! Man begreift, daß es zwischen dieser
Stadt, zwischen ihrem „chimärischen" Genius
und dem Werk Beckmanns eine Verbindung
gibt. Das Mittelalter dieser Stadt lebt in diesem
Werk weiter — nicht um irgend einer Idee
Beckmanns willen, sondern von selbst.
Das Gebälk in Braunschweig hat zuweilen eine
gleichsam exotische Natur; man denkt an die
Schnitzkunst der Exoten. Und von dieser Stelle

aus fällt ein: unsere Epoche hat sich für eine
Weile und durch einen gewissen Spielraum hin
der Kunst der „Wilden" verschrieben. Wir
übersehen die Ursachen dieser seltsamen Verbindung
Europas mit den Exoten noch nicht
ganz; aber sie bestehen, und sie sind nicht nebensächlich
! Die Gotik, die in Beckmann fortdauert,
kreuzt sich mit dem starken Instinkt unserer
Epoche für das Exotische: für die furchtbaren
Masken der Wilden. Freilich können wir von
dieser Berührung unserer Epoche mit den
Wilden in der Nähe Beckmanns nur vorsichtig
reden; Beckmann hat nie „exotisiert", wie er
nie „gotisiert" hat; das Gefühl unserer Welt für
die Chimären der Exoten hat die chimärischen
Empfindungen Beckmanns höchstens bestärkt

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