Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 59. Band.1929
Seite: 164
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MAX BECKMANN. STILLEBEN MIT MARGU ERITEN

Die Entwicklung von etwa "900 bis in unsere
Tage ist nicht nur eine Entwicklung des Formalen
, sondern auch ein Erfahren von Inhalten,
eine kelte von Erlebnissen. Muß man es aussprechen
, daß diese Epoche nicht heiler gewesen
ist? Vor dem krieg die Unruhe der Angst in
aller Well: die sozialen Spannungen, die wellpolitischen
Spannungen, der Verfall des Geschmacks
, zum Heispiel im öd etil liehen Bauwesen
. Dann der Krieg selbst — und diu nennen
heißt ihn aussagen. Beckmannselbstisl K ranken-
träger, Lazarel Igehilfe; er hört die Chirurgensäge
durch die Schenkelknochen
sägen, sieht
das Blut und die amputierten
Glieder. Solches
Erleben hält in einem
Menschen,der dieDh ige
mit der doppelten
Schärfe des Menschen
und Künstlers gewahrt,
ein Menschenlehen lang
vor; man soll sich nicht
wundern! Man soll sich
nicht darüber wundern,
daß diesem Mann das
ganze Bild des Daseins
ein einziger Albtraum,
eine einzige Chimäre,
eine einzige „Gotik" im
Sinn mit lelalterlicher
Passionsbilder geworden
ist — und dnß nun
weiterhin selbst das
Schöne, das Reizende,
das Heilere, das Eie-
benswü'dige diesem
Menschen und Maler
für alle Zeit durchzogen
ist mit dem roten
Faden des Schrek-
kens und hier und dort
angetuscht mit Blut.
Dieser mit furcht bat em
Ernstei lebendeMensch
und Künstler wird das
Furchtbare aus dem
Leben nicht mehr
ausscheiden können.
Strand des Mittelmeers,
schöne Menschen, die
b;iden, hübsche Frauen
abends beim Tanz: wob 1
— aber dieser Mann hat die furchtbarsten Grimassendes
I ^ebens und des Sterbens gesehen, und
darum wh d es zeitlebens für ihn keine Schönheit
mehr geben können, die nicht zugleich ein das
Blut und den Alem geriiuienmacbendes Medu-
senhaupt wäre; es wird für diesen Mann zeitlebens
keine Heiterkeit mehr geben können, die
nicht einen Moment die Fratze wiese, und keine
Komik, die nicht eine Sekunde, .ich eine ewige
Sekunde lang verdammI wäre, etwas Arges zu
sein. Auch Bo-ch und Bruegel sind in diesem
Modernen wiedergekehrt — und übrigens i>t

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